Aktuelle und abgeschlossene Bauprojekte
G3-321
Institut für Auditorische Neurowissenschaften - IAN
Schwerhörigkeit ist laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) die häufigste Sinnesbehinderung des Menschen
Die Universitätsmedizin plant die Errichtung eines Forschungsbaus für das Institut für Auditorische Neurowissenschaften (IAN).
Das geplante Forschungsgebäude soll die multidisziplinäre und synergistische Zusammenarbeit der aktuell 13 methodisch komplementären Arbeitsgruppen am IAN ermöglichen, die gemeinsam ein international sichtbares Forschungsprogramm der Auditorischen Neurowissenschaften, Synaptischen Physiologie und Pathophysiologie, Audiologie und Neuroprothetik gestalten. Der Fokus des IAN liegt dabei auf der molekularen Anatomie, Physiologie und Pathophysiologie der Schallkodierung und Informationsverarbeitung im auditorischen System sowie auf die Wiederherstellung des Hörvermögens durch Genersatztherapie und das optogenetische Cochlea Implantat. Diese Forschung ist von großer Bedeutung, da die Schwerhörigkeit als häufigster Sinnesbehinderung des Menschen, schwerwiegende Folgen für die Betroffenen und großer sozioökonomischer Relevanz hat.
Folgende Funktionen bzw. Flächenarten sind u.a. geplant: Labore, teilweise für die Arbeit an höchstauflösenden Mikroskopen, Büroflächen sowie Seminarräume.
Die Umsetzung des Raumprogramms unter Berücksichtigung der Funktionsbeziehungen und der Nutzugsanforderungen führte zu einer dreibündigen Grundrissstruktur. Darüber hinaus erforderte die Begrenzung auf zwei oberirdische Vollgeschosse und ein Dachgeschoss sowie u.a. die Mikroskopie (Schwingungsempfindlichkeit), Technikräume und ein zentraler Sanitärbereich die Ausbildung eines Kellergeschosses. Bei den Technikräumen handelt es sich um die Hausanschlussräume/ Übergaberäume für die verschiedenen Medien. Die Funktionen verteilen sich in den Ebenen wie folgt:
Durch den flächenoptimierenden Einzug des EG gegenüber dem OG auf der Ost-, Nord- und Südseite und durch das auf der Westseite einspringende Dachgeschoss wird die Gebäudekubatur in der Höhenabwicklung gegliedert. Damit wird das IAN von der Robert-Koch-Straße als zweigeschossiges Gebäude wahrgenommen, dessen Dachgeschoss zusätzlich durch eine unauffällige Materialität auch optisch zurücktritt.
Neben der angepassten und zum UMG-Campus vermittelnden Geschossigkeit wird sich das IAN durch die Verwendung von hellem Klinker als Fassadenmaterial in die bauliche Umgebung einfügen. Das Dachgeschoss erhält eine dunkle Fassade aus Metall. Die vornehmlich als Bandfassade gestalteten Fensteröffnungen prägen eine klare Gestalt des Gebäudes und bieten ein hohes Maß an Flexibilität für den Anschluss von Trennwänden.
Im Erd- und Obergeschoss werden die Hauptbereiche Labor und Büro jeweils in einem Raumbund separiert, die Labore entsprechend der Lage der Technikzentrale und der Schächte auf der Ostseite, die Büros auf der Westseite. Im Mittelbund sind im Wesentlichen die Sanitärräume, Lager und Technikräume verortet. Labore und Büros befinden sich jeweils an den gegenüberliegenden Gebäudelängsseiten und verfügen so über einen jeweils zugeordneten Hauptflur. Die Bereiche sind als brandschutztechnische Nutzungseinheiten konzipiert. Die Hauptflure werden durch jeweils zwei Verbindungsflure so verbunden, dass die Entfluchtung aller Arbeits- und Nebenräume in zwei Richtungen möglich ist. Im Erdgeschoss befinden sich die Gebäudeausgänge mit direkter Anbindung an die Treppenhäuser.
Die Höheneinordnung des Gebäudes ermöglicht einen ebenerdigen Zugang an den Nebeneingängen am Anlieferbereich auf der Nordseite. Durch das nach Süden abfallende Gelände wurde eine Treppenanlage in Kombination mit einer Rampe für Rollstuhlfahrer im Haupteingangsbereich notwendig.
Der Eingang auf der Südseite wird mit gestalterischen Mitteln aufgewertet und dient der Adressbildung des IAN, die zur stärkeren Individualisierung der Eingangssituation und zur Verbesserung der Giebelproportionen beiträgt.
Im Obergeschoss befinden sich Labore und Büros in analoger Anordnung wie im Erdgeschoss. Vor beiden Treppenhäusern sind an den Giebelseiten Besprechungs- bzw. Aufenthaltsräume mit natürlicher Belichtung angeordnet. Die im Obergeschoss im Funktionszusammenhang anzuordnenden Räume bedingen eine gegenüber dem KG und EG größere Geschossfläche, die durch Auskragungen auf der Nord-, Süd- und Westseite realisiert werden konnte.
Im Dachgeschoss sind die Räume des Konferenzbereiches organisiert. Diesen Räumlichkeiten zugeordnet ist eine gemeinsame Terrasse auf dem Flachdachbereich des Dachgeschosses. Zwei weitere separierte Terrassen auf dieser Ebene sind jeweils einem der beiden Treppenhäuser vorgelagert und können vom Besprechungsraum bzw. von den Aufenthaltsräumen aus gut erreicht werden.
Den östlichen Teil des Dachgeschosses nimmt die Technikzentrale mit Lüftungszentralen und Heizungsraum ein. Von der nördlichen Terrasse am Treppenhaus führt eine Außentreppe auf die Dachfläche der Technikzentrale, auf der eine eingehauste Stahlbühne zur Aufstellung der Kompressionskältemaschinen und Wärmepumpen geplant ist.
Für die begehbaren Flächen sind als Belag Betonwerksteinplatten auf Stelzlagern vorgesehen. Auf den nicht begehbaren Flächen sind Einfassungen aus Stahlblech als Pflanztröge mit erhöhtem Substrataufbau für eine intensive Begrünung geplant. Eine Begrünung des Flachdachs auf dem Dachgeschoss ist aufgrund der dort vorgesehenen PV-Anlage nicht vorgesehen.
Bauzeit: 03/2026 bis 12/2028 (inkl. Inbetriebnahme)
Flächen und Rauminhalte:
- NUF 1-7: 1.891 m2
- BGF: 5.488 m2
- BRI: 20.612 m3
Gesamtbausumme: 36,91 Mio. € (zus. 2,81 Mio € Erstausstattung)
Bauherr: Universitätsmedizin Göttingen (UMG)
Fachbeteiligte:
- pbr planungs- u. beratungsgesellschaft mbh - Objektplanung / Architektur
- pbr planungs- u. beratungsgesellschaft mbh - Objektüberwachung Hochbau
- Krauße Ingenieure - HLS-Fachplaner
- Elektroplanungsbüro Gummich - Elt.-Fachplaner
- Carpus+Partner AG - Laborplanung
- Daber & Kriege GmbH - Freianlagenplanung
- pbr planungs- u. beratungsgesellschaft mbh - Tragwerksplanung
- Formitas AG - BIM-Korrdination



Bilder: Animationen: pbr planungs- u. beratungsgesellschaft mbh



Heart-and-Brain-Center Göttingen - HBCG
Starke Verbindung translationaler Forschung von Kardiologie und Neurologie
In Anbetracht des demographischen Wandels, der mit der Zunahme von vaskulären und degenerativen Erkrankungen einhergeht, sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, neurologische und neuromuskuläre Erkrankungen von enormer klinischer und sozioökonomischer Relevanz.
Mit dem Heart-and-Brain-Center Göttingen (HBCG) entsteht an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) ein deutschlandweit einzigartiges Forschungsgebäude. Hier werden die gegenseitigen Abhängigkeiten und gemeinsamen Mechanismen von Herz-Kreislauf‐ sowie neurologischen und neuromuskulären Erkrankungen erforscht. Dabei vereint das HBCG experimentelle und theoretische Aspekte der Grundlagenforschung mit der angewandten, translationalen Forschung.
Der kompakte Neubau befindet sich in direkter Nachbarschaft zum Herzforschungszentrum im nordwestlichen Teil des zentralen Campus der UMG. An der Robert-Koch-Straße liegend erhält die UMG hier einen repräsentativen Neubau anstatt der bisherigen Flachbauten an dieser Stelle.
Dem Gebäude vorgelagert ist eine Erschließungsfläche, die unterschiedliche Aufenthaltsflächen mit Bänken und Grünzonen bietet.
Die Dualität der Nutzung des Gebäudes „Heart-and-Brain“ zeichnet sich auch in der Fassade ab. Die zwei Pfeiler des Instituts „Herz und Hirn“ definieren die Gestaltung der Außenhülle. Symbolisch schließen sich zwei Elemente bzw. Gebäudeteile zu einem Ganzen zusammen. Die ursprünglichen Teile sind weiterhin ablesbar und dennoch nur im Ganzen wirksam. Geteilt werden die zwei Themenbereiche zum einen durch eine horizontale Gliederung, indem sich zwei verschränkte Elemente zu einem Baukörper zusammenfügen, und zum anderen durch die Ausformulierung der vertikalen Lamellen, die die Fassung der dahinterliegenden Grundrissstruktur mit geschlossenen und tagesbelichteten Räumen ermöglicht. Schwarz lackierte Metallpaneele hinter den Metall-Lisenen bilden ein gemeinsames Element mit den Fensteröffnungen. So verschwinden die Geschossigkeiten.
Im südlichen Bereich definiert eine eingeklappte Pfosten-Riegelfassade im Erdgeschoss den Eingang und führt Besucher direkt in das Foyer und zur Anmeldung.
Durch die gezielte mittige Anordnung von zwei Kernen wird eine ringartige Erschließung ermöglicht. An dem Prinzip „keep it simple“ orientiert sich auch die technische Gebäudeausrüstung. Die Erschließung erfolgt ebenfalls über die beiden Kerne, die die Flure als Versorgungsebenen anbinden. Weitgehend wurden Leitungen nicht in Bürotrennwänden verlegt, um Einschränkungen in der Grundrissflexibilität zu vermeiden.
Die gestalterische Ausformulierung innerhalb des Gebäudes ist schlicht, funktionell, aber hochwertig. Das Prinzip der Vertikalität der Fassade wird im Inneren fortgesetzt. So wurde beispielsweise die Bekleidung der Wände und Teile der Decken in den Aufenthaltsbereichen Foyer und Think Tanks mit vertikalen Holzlamellen ausformuliert.
Rund 90 Wissenschaftler*innen betreiben hier Spitzenforschung. Dazu beherbergt das HBCG mit einer Nettonutzfläche von 3.450 m² neben Labor- und Bürobereichen im 1. und 2. Obergeschoss einen Bereich für Probandenuntersuchungen im Erdgeschoss, in dem auch ein Magnetresonanztomograph untergebracht ist. Im Untergeschoss wurden unter anderem Räume für höchstauflösende Mikroskopie sowie Lasertechnologie mit besonders hohen Anforderungen zur Vermeidung von Gebäudeschwingungen geschaffen.
Die Inbetriebnahme erfolgte im März 2023. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf 38 Mio. Euro.
Bauzeit: 04/2020 bis 12/2022
Flächen und Rauminhalte:
- NUF: 2.951 m2
- BGF: 6.557 m2
- BRI: 29.309 m3
Gesamtbausumme: 38 Mio. €
Bauherr: Universitätsmedizin Göttingen (UMG)
Fachbeteiligte:
- Telluride Architektur - Objektplanung / Architektur
- Ernst² Architekten - Objektüberwachung Hochbau
- Krauße Ingenieure - HLS-Fachplaner
- Elektroplanungsbüro Gummich - Elt.-Fachplaner
- Carpus+Partner AG - Laborplanung
- RB+P Landschaftsarchitektur - Freianlagenplanung
- Kempen Krause Ingenieure GmbH – Tragwerksplanung




Fotos: Telluride Architektur




Modulgebäude für die Intensivmedizin
Kraftakt für die Erweiterung der Kapazitäten der Patientenversorgung
Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) hat mit einem in jeder Hinsicht ambitionierten Neubauprojekt ein Gebäude für die intensivmedizinische Patientenversorgung geschaffen. Im Jahr 2020 hat das Land Niedersachsen eine Ausweitung der Kapazitäten in der Intensivmedizin und ein Vorhalten von Betten und Personal vorgegeben, sollten weitere Wellen von Corona-Erkrankungen die Aufnahme schwer erkrankter COVID-19-Patienten notwendig machen.
Bereits 2019 lag die Entwurfsplanung für ein Gebäude für die Versorgung von 45 Patient*innen in der Kinderintensivmedizin und Neonatologie vor. Auf dieser Grundlage wurde das Planungskonzept für bis zu 41 intensivmedizinisch zu versorgenden Patient*innen in kürzester Zeit entsprechend umgestellt, jedoch verbunden mit dem Ziel, das Gebäude zu einem späteren Zeitpunkt mit möglichst geringem Aufwand für die Kinderintensivmedizin und Neonatologie umzubauen.
Um die Infrastruktur des Haupthauses des Klinikums nutzen zu können und insbesondere eine möglichst kurze Wegeverbindung zum OP-Bereich ermöglichen zu können, konnte das Gebäude nur zwischen den vorhandenen achtgeschossigen Bettenhäusern auf einem beengten Baufeld errichtet werden. Um einerseits die Beeinträchtigungen des Krankenhausbetriebs auf ein Minimum zu reduzieren und anderseits die Baustellenlogistik beherrschbar zu halten, wurde das Gebäude als Modulbau mit hohem Vorfertigungsgrad realisiert.
Weiterer Bestandteil des Gesamtprojekts ist die Erweiterung der Notstromversorgung in einem eigenen Gebäude mit den entsprechenden technischen Anlagen, zu denen auch ein Dieselaggregat mit einer Leistung von 2.000 kVA gehört.
Als im Juli 2020 die Finanzierung stand, wurde sofort mit der Vorbereitung der erforderlichen Vergabeverfahren begonnen. Im September 2020 wurde mit der Baufeldfreimachung begonnen und bereits Anfang Oktober 2021 sind die ersten Patienten in das neue Intensivmedizin-Gebäude (IMG) eingezogen.
Der kompakte Baukörper hat eine Hauptnutzfläche von 1.930 m², die sich über zwei Geschosse erstreckt. Die Technikzentrale bildet auf knapp der Hälfte der Gebäudegrundfläche das dritte Geschoss.
Die äußere Erschließung erfolgt in erster Linie über einen Verbindungsgang vom IMG zum OP-Bereich im Haupthaus des Universitätsklinikums. Hierüber erreichen Patient*innen, Angehörige/Besucher, wie auch das Personal und die erforderliche Logistik den Neubau.
Vom Eingangsbereich aus wird die Ver- und Entsorgungszone und der eigentliche Stationsbereich erreicht. Die Patientenzimmer sind an der Ost- und Westseite des Gebäudes angeordnet. Vom zentral angeordneten Stützpunkt aus sind die für die Patientenversorgung wichtigsten Arbeits- und Lagerräume erreichbar. Ebenfalls im zentralen Bereich sind die Räume der Stationsleitung und Arztzimmer um einen kleinen Lichthof herum angeordnet. Der Personalaufenthaltsraum ist nach Süden orientiert. Die Grundrisse der beiden Stationsebenen sind nahezu identisch.
Auf eine überdurchschnittliche Gestaltung musste zugunsten der hohen Anforderungen an die technische Gebäudeausstattung und die pandemiebedingt hochdringliche Notwendigkeit für die Fertigstellung verzichtet werden. Die Farbgestaltung besonders in Patienten- und Besucherbereichen erzeugt mit Gelb-, Rostrot- und Grüntönen eine freundliche Atmosphäre zum Wohl der Patient*innen.
Inzwischen wurde auch der Umbau für die Kinderintensivmedizin und Neonatologie realisiert. Die kleinen Patienten sind im April 2024 umgezogen.
Bauzeit:
- Neubau: 09/2020 bis 10/2021
- Umbau: 07/2023 bis 02/2024
Flächen und Rauminhalte:
- NUF: 1.929 m2
- BGF: 4.386 m2
Gesamtbausumme:
- Neubaukosten: 27,90 Mio. €
- Umbaukosten: 1,98 Mio. €
Bauherr: Universitätsmedizin Göttingen (UMG)
Fachbeteiligte:
- agn Niederberghaus & Partner GmbH - Generalplanung Modulgebäude (Entwurf)
- bmp architekten Görres-Duhm PartG mbB - Objektplanung BSV-Gebäude
- Ehrhardt & Rettke - Tragwerksplanung BSV-Gebäude
- UMG Baumanagement - TGA BSV-Gebäude




Therapiehaus KJP
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie mit zeitgemäßen Angeboten für das Lernen und Gesunden Neubau Therapiehaus Von-Siebold-Straße 3b, 37075 Göttingen
Das Bauvorhaben ist Bestand des Erweiterungsprogramms der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) im Rahmen der Erweiterung des tagesklinischen Versorgungsangebots. Mit der zusätzlichen Bewegungshalle werden außerdem die therapeutischen Möglichkeiten der Psychiatrischen Kliniken insgesamt verbessert.
Auch mit der Umsetzung dieser Maßnahmen werden Voraussetzungen für eine erfolgreiche klinische Forschung am einzigen Lehrstuhl für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in Niedersachsen verbessert.
Die Patienten sind zwischen 5 und 18 Jahren alt. Sie werden in verschiedenen Gruppen unterrichtet und betreut, für Therapie und Heilung der psychischen Krankheiten werden helle Räume mit Tageslicht gewünscht. Zur Behandlung gehören Abstimmungen mit Eltern, Schule und Jugendamt, sowie der Therapeuten und Psychologen untereinander.
Auf dem Gelände des Patientengartens der Psychiatrischen Kliniken der Universitätsmedizin Göttingen ist ein Therapiehaus für Kinder und Jugendliche als 2-geschossiger Neubau errichtet worden. Es beinhaltet Räume für Unterricht, Ergo- und Heiltherapie, Behandlungs- und Büroräume, eine Bewegungshalle mit Umkleiden, sowie Neben- und Technikräume.
Die Gestaltung vermittelt zwischen dem Bestandsensemble der Psychiatrischen Kliniken und dem südlich benachbarten Forschungsgebäude. Die Farbigkeit der Klinikgebäude wird aufgegriffen, ein dezent abgetönter Putz auf einem Wärmedämmverbundsystem vermittelt zur gelben Klinkerfassade des Forschungsgebäudes.
Die großflächigen Fensterfassaden dienen einer therapeutisch gewünschten hohen Tageslichtausbeute. Sie sind als Alu-Rahmen- bzw. Pfosten-Riegel-Konstruktionen mit farbiger Beschichtung und farblich abgesetzten Öffnungsflügeln ausgeführt.
Das Gebäude öffnet sich zum Patientengarten mit raumhohen Fensterfl ächen und partizipiert dadurch an der Atmosphäre des innerstädtischen Grünraumes. Somit schafft der Neubau den Spagat zwischen optimaler natürlicher Belichtung, gezielter Ausblicke in den Naturraum und einer geschützten Privatsphäre, die für die Patienten notwendig ist.
Die Bewegungshalle bietet Möglichkeiten für vielfältige Nutzungen – von Ballsport, über Turnen und Bewegungsübungen. Zudem ist die Halle in zwei Hälften teilbar.
Oberlichter in den Verkehrsflächen und der Bewegungshalle versorgen die Bereiche mit viel Tageslicht und sorgen für eine besondere atmosphärische Stimmung. Eine Farbgestaltung mit ruhigen dezenten Farben und gezielt eingesetzten Kontrasten sorgt für den notwendigen Hintergrund für die therapeutische Arbeit. Natürliche Materialien wie Holz, Putz, Sichtbeton und Linoleum unterstützen den gewünschten Charakter des Hauses.
Die offen gestalteten Verkehrsflächen dienen der leichten Orientierung und an Regentagen als Pausenfläche. Der zweite überdachte Gebäudezugang stellt die Verbindung zum benachbarten Haus A her und leitet die Kinder direkt zu den Unterrichtsräumen.
Die Errichtung des Neubaus erfolgte bei laufendem Klinikbetrieb und Erhaltung des benachbarten „Spielhauses“ mit den Therapieräumen für einen möglichst langen Zeitraum.
Parallel wurden in den umliegenden Erschließungsstraßen die Versorgungsleitungen ausgetauscht bzw. für den Neubau des Universitätsklinikums neu verlegt sowie der Straßenaufbau komplett erneuert, so dass eine enge Koordination mit den anderen Baumaßnahmen erforderlich war.
Bauzeit: 03/2018 bis 10/2019
Flächen und Rauminhalte:
- NUF: 840 m²
- BGF: 1.200 m²
- BRI: 4.150 m³
Gesamtbausumme: 2,95 Mio. €
Bauherr: Universitätsmedizin Göttingen (UMG)
Fachbeteiligte:
- bmp architekten Görres-Duhm PartG mbB, Architekt - Leistungsphasen 2-8
- RBG Ingenieure Partnerschaft mbB, Northeim – Tragwerksplanung
- Krauße Ingenieure, Göttingen - HLS Planung
- keydel bock ingenieure gmbh, Göttingen - ELT Planung
- Ingenieure Rinne & Partner, Göttingen - Tiefbau / Erschließung




Tagesklinik KJP
Moderne Voraussetzungen für die tagesklinische Versorgung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Um- und Erweiterungsbau für die Tagesklinik Kinder- und Jugendpsychiatrie der UMG
Die Einrichtung einer Tagesklinik für Jugendliche (12 bis 18 Jahre) mit seelischen Störungen in Südniedersachsen ist Teil des Erweiterungsprogramms der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Die notwendige fachliche Kompetenz sowie flankierende stationäre und ambulante Behandlungsinfrastrukturen sind bereits vorhanden damit ein leistungsfähiges regionales Versorgungszentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie entsteht.
Außerdem werden durch diese Maßnahme die Voraussetzungen für eine erfolgreiche klinische Forschung am einzigen Lehrstuhl für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in Niedersachsen verbessert.
Im Rahmen dieses Bauvorhabens wurden 12 Therapieplätze für Kinder und Jugendliche geschaffen.
Dabei wurde hier das Sockelgeschoss eines Gebäudeteils, Baujahr 1955 umgebaut und mit einem neuen Anbau ergänzt. Diese beherbergen nun u.a. neben Diagnostik-, Gruppen-, Ergotherapie-, Spieltherapie-, Musiktherapie- und zwei Schulräume sowie Chillout- und Küchen- / Essens- / Aufenthaltsräumlichkeiten auch Therapeuten- und Arztzimmer, welche konzeptionell und gestalterisch dem heutig erforderlichen therapeutischen Ansprüchen und Bedarf entsprechen und gerecht werden.
Durch die Integration des Altbaus in das Gesamtkonzept der Tagesklinik konnte der Großteil der Räume, die keine Sichtbeziehung nach außen benötigen - vor allem WC- und Waschräume - im Bestand auf der eingegrabenen Südseite untergebracht werden. Die übrigen dunklen Räume des Bestandsgebäudes werden nun für Nebenräume und Technik genutzt.
Als Neubautrakt ist ein zweibündiger Gebäuderiegel parallel zum Altbautrakt in das Gartengrundstück eingefügt worden. Der Neubauteil nimmt alle Therapieräume auf. Ein transparenter Eingangstrakt wurde als Spange zwischen die beiden Gebäudeflügel eingeschoben, er dient als verbindende Kommunikationsfläche und nimmt alle Eingangsfunktionen auf. Er ist nach Norden und Süden durch die Gebäudetrakte "hindurch gesteckt", schafft Orientierung und Belichtung. Der Eingangstrakt grenzt zudem den zwischen den Gebäudeflügeln gebildeten Innenhof - das "Atrium" - ab.
Unter Ausnutzung der Himmelsrichtung wurden insbesondere die Räume, in denen sich länger und konzentrierter aufgehalten wird, nach Norden orientiert: z.B. Schulräume und Gruppenräume. Zu dieser ruhigen und verschatteten Seite liegen auch Chillout- und Ruheraum.
Mit Sichtbeziehung zum Eingangsvorbereich sind Ergotherapie und Spiel untergebracht - die direkte Beziehung zum Atriumhof nutzen der Aufenthalts- und Essbereich mit Küche. Fast alle Bereiche sind mit bodentiefen Fenstern ausgestattet und verbinden sich so mit dem Außenbereich.
Die Räume der Nordseite werden mit einem Pultdach gedeckt, das ermöglicht großzügige Fassadenflächen, ohne eine problematische Wärmebelastung im Sommer zu riskieren. Die Südräume haben einen feststehenden äußeren Sonnenschutz erhalten. Ziel war es, die Materialität des Gebäudes erfahrbar und sichtbar zu machen: Stahlbetondecken mit untergehängten Akustikpaneelen, warmtönige Holzfenster, farblich zurückhaltende Holztüren, farblich akzentuierte Wände und Bodenbelege sowie kontrastierend Glasfassaden mit Aluminiumprofilen. Aufgrund der vorhandenen angrenzenden höheren Bauteile konnte eine Begrünung auf den massiven Dächern umgesetzt sowie eine naturnahe Gestaltung des angrenzenden Gartens und des Atriums vorgesehen werden.
Bauzeit: 04/2017 bis 08/2018
Flächen und Rauminhalte:
- NUF: 559 m²
- BGF: 870 m²
- BRI: 3.155 m³
Gesamtbausumme: 2,5 Mio. €
Bauherr: Universitätsmedizin Göttingen (UMG)
Fachbeteiligte:
- GAW Göttinger Architekten Werkstatt - Objektplanung / Architektur und Bauleitung
- Krauße Ingenieure - HLS-Fachplaner
- IB Winter - Elt.-Fachplaner
- MKK Ingenieure - Tragwerksplanung





Fotos: R. Caspari - UMG
DZHK
Institutsneubau zur Herz-Kreislauf-Forschung an der Universitätsmedizin Göttingen
Für das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislaufforschung (DZHK) wird am Standort Göttingen auf dem Gelände der Universitätsmedizin Göttingen in unmittelbarer Nähe zum zentralen Gebäude des Klinikums für Untersuchung, Behandlung, Forschung und Theorie (UBFT) ein Forschungsgebäude errichtet.
Als Standort dient die Freifläche südlich des derzeitigen Vorstandsgebäudes der UMG. In dem geplanten Neubau ist die Unterbringungen von Laboren (S1 und S2) für die experimentelle Forschung und Büroflächen für theoretische Arbeiten sowie Service- und Kommunikationsflächen vorgesehen.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit und groß angelegte Studien bilden die Basis für zukunfts- und patientenorientierte Herz-Kreislauf-Forschung. Im Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) finden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Raum für solche Forschungsprojekte. Das DZHK bietet ihnen einen Rahmen, um Forschungsideen gemeinsam, besser und schneller als bisher umsetzen zu können.
Wichtigstes Ziel des DZHK ist es, neue Forschungsergebnisse möglichst schnell allen Patienten in Deutschland verfügbar zu machen und Therapien sowie die Diagnostik und Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen voranzutreiben.
Grundrisszonierung
Im zentralen Bereich des Gebäudes befi nden sich die Umkleiden, Sozialräume, sanitären und versorgungstechnischen Anlagen, sowie der Haupterschließungskern und die Konferenzräume im ersten Obergeschoss. Das Dachgeschoss ist der Versorgungstechnik vorbehalten.
In den beiden Schenkeln des Gebäudes sind die Labore und dazugehörigen Büroräume untergebracht. Die direkte Beziehung von Laboren und Büroräumen ermöglicht kurze Wege und somit erhöhte Effektivität im Arbeitsablauf.
Im Erdgeschoss befinden sich Labore mit hoch sensiblen Mikroskopen und weiteren optischen Messgeräten welche einer besonderen schwingungsfreien Gründung bedürfen. Weiterhin werden Labore gebaut welche keine Tageslichtbeeinflussung erfahren dürfen, diese Labore sind Fensterlos und werden mit speziellen Dunkelkammer-Drehtüren ausgestattet.
Da das Gebäude in modularer Stahlskelettbauweise errichtet wird ist das Gebäude im Inneren maximal flexibel und für eine Nachnutzung sehr variabel nutzbar, eine Aufstockung des Gebäudes um zwei weitere Geschosse ist konstruktiv möglich.
Schwingungsfrei Gründung
Die schwingungsfreie Gründung einiger hochsensibler Mikroskope ist eine der Besonderheiten des Neubauprojektes und erfordert außergewöhnliche Maßnahmen.
Es gilt zu berücksichtigen, dass sich das Gebäude in der direkten Einflugschneise des Hubschrauberlandeplatzes befindet und so enorme Schwingungen abfangen muss, welche durch den Flugverkehr verursacht werden. Hierzu werden im gesamten Gebäude acht Einzelfundamente für die optischen Tische und deren Mikroskope errichtet. Die Fundamente haben im Durchschnitt eine Ausdehnung von 3,00 x 3,00 x 2,00 m und ein Gesamtgewicht von ca. 39 Tonnen pro Fundament.
Um diese spezielle Gründung zu realisieren mussten zusätzlich zu den Fundamenten des Gebäudes tiefe Baugruben hergestellt werden, welche dann mit einer Schalwand vom Erdreich isoliert wurden. In diese ausgebildeten Wannen wurden die schwingungsfreien Fundamente gegossen, die Fundamente haben keine direkte Verbindung zum restlichen Gebäude und stehen autark. Dies wird über eine Stahlkonstruktion sichergestellt die den Fußbodenaufbau des Gebäudes trägt. Im Endzustand sind von diesen Fundamenten nur noch die Gründungplatte im Fußboden zu sehen, welche durch eine Fuge zum restlichen Bodenbelag sichtbar wird, auf denen dann die optischen Tische stehen. So werden jegliche Schwingungen, selbst durch die Bewegung der Nutzer im Raum nicht auf die Messgeräte übertragen.
Bauzeit: 09/2015 bis 09/2016
Inbetriebnahme: Herbst 2016
Flächen und Rauminhalte:
- NUF 1-7: 1.605 m²
- NGF: 2.600 m²
- BGF: 3.020 m²
- BRI: 12.520 m²
Gesamtbausumme: 11,5 Mio. €, finanziert aus Eigenmitteln der Universitätsmedizin Göttingen
Bauherr: Universitätsmedizin Göttingen (UMG)
Generalübernehmer: Gerlach-Werke Gerätebau GmbH Schlüsselfertigbau



BIN / DZNE
Moderne Voraussetzungen für interdisziplinäre Forschung
Institutsneubau zur Erforschung neurodegenerativer Erkrankungen in Göttingen
In Deutschland leben gegenwärtig mehr als 1,4 Millionen Demenzkranke. Zwei Drittel von ihnen sind von der Alzheimer-Krankheit betroffen. Jahr für Jahr treten etwa 300.000 Neuerkrankungen auf. Ein Krankheitsbild, das die Forschung vor besonders große Herausforderungen stellt. In dem Gebäude, welches nach 28 Monaten Bauzeit im Juni 2016 an die Nutzer übergeben wurde, forschen nun das Center for Biostructural Imaging of Neurodegeneration (BIN) und das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), Standort Göttingen, gemeinsam an der Prävention, Diagnose und Therapie von Erkrankungen des menschlichen Nervensystems.
Zwar steht die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Vordergrund, baulich allerdings soll die Eigenständigkeit beider Zentren erkennbar bleiben.
Der fünfgeschossige Neubau mit Teilunterkellerung befindet sich im östlich gelegenen Bereich der Stadt Göttingen an der Von-Siebold-Straße. Der städtebauliche Umgriff ist von mehrflügeligen Gebäuden mit zur Straße verspringenden Baufluchten und großzügigen Vorflächen geprägt. Mit der gewählten U-Form fügt sich das Gebäude in die vorhandene Bebauung ein und ergänzt die Freiflächen durch eine reizvolle Hofsituation. Zwischen den Gebäudeteilen signalisiert eine als verglaster Baukörpereinzug gestaltete Gebäudefuge zusammen mit dem Windfangelement den Haupteingang.
Klinker, Metall und Glas prägen die Anmutung des Institutsneubaus. In zeitgemäßer Anwendung greift das Fassadenmaterial Klinker die bauliche Tradition der seinerzeitig umliegenden Gebäude auf.
Die Gestaltung der Fassade des Neubaus sieht einen geordneten Rhythmus der vier Geschosse vor. Über Ecklaufend verschmelzen die Fassadenseiten miteinander und erzeugen einen leichten wie lagernden Charakter. Je mehr man sich dem Gebäude nähert, desto weiter löst sich die schlichte Großform in feine Fassadendetails auf. Die Linien der Fensterbänder werden durch Profi lierungen im Mauerwerk fortgeführt. Zurückspringende Klinkerschichten spiegeln das Sonnenlicht wieder und die Fensterbänder rhythmisieren durch Lisenen in wechselnden Farbtönen.
Die Gebäudestruktur wird in erster Linie durch die funktionalen Anforderungen und die Ausdehnung der Institutsbereiche DZNE, BIN und Kooperation bestimmt. Die Geschossebenen wurden gleich aufgegliedert. In den zweibündigen Gebäudeflügeln sind die Labore nach Süden und die Büro- und Diensträume nach Norden orientiert.
Die Forschungstätigkeit beider Nutzer wird innerhalb mehrerer Teams mit wechselnder Zusammensetzung und Größe organisiert. Die damit notwendige Nutzungsflexibilität wird durch die Grundrissplanung mit einheitlichen Flächenmodulen auf der Basis eines übergreifenden Gebäude- und Ausbauachsrasters gewährleistet. So geht Variabilität mit einer wirtschaftlichen Flächenausnutzung einher.
Die Sortierung von Laboren und Büros in jeweils einem Gebäudeflügel ermöglicht kurze Wege zwischen beiden Nutzungsbereichen.
Bauzeit: 02/2014 bis 06/2016
Flächen und Rauminhalte:
- NUF 1-7: 3.443 m2
- BGF: 7.549 m2
- BRI: 30.976 m3
Gesamtbausumme: 27,5 Mio. €
Bauherr: Universitätsmedizin Göttingen (UMG)
Planungsleistungen: pbr Planungsbüro Rohling AG - Gesamtplanung










MRT-Gebäude
Weltweit einzigartig: Echtzeit-Magnetresonanztomografi e in klinischer Anwendung im Forschungsgebäude „Kardiovaskuläre MRT“
Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) hat im Jahr 2014 für Arbeiten mit der wegweisenden Technologie der Echtzeit-Magnetresonanztomografi e (MRT) ein neues Gebäude errichtet. Hier fi nden 2 zusätzliche innovative MRT-Geräte ihren Standort am Klinikum, wodurch die Kapazität in Forschung, Lehre und studienbegleitender Krankenversorgung an der UMG gesteigert wird. Die Baukosten in Höhe von ~4 Mio. € finanzierte die UMG eigenständig. Die Kosten für die beiden innovativen MRT-Geräte liegen bei insgesamt ~3 Mio.€; davon bezuschusste die Deutsche Forschungsgemeinschaft den 3 Tesla-Forschungs-MRT mit 1 Mio. €.
Das 7 to. schwere MRT-Gerät „Skyra“ der Firma Siemens (3 Tesla) ist aktuell das weltweit schnellste und modernste MRT für die Diagnose und Behandlung von Herzerkrankungen und das bislang einzige seiner Art in klinischer Anwendung. Die
Technologie ist eine Göttinger Erfindung und wurde von einer Forschergruppe um Prof. Dr. Jens Frahm, Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, entwickelt. Das neue Verfahren liefert Untersuchungsbilder des schlagenden Herzens in Echtzeit als Bildserie oder MRT-Film mit 30 Bildern pro Sekunde. Dadurch kann auch der Blutfluss im menschlichen Kreislauf mit hoher Auflösung dargestellt werden. Innerhalb der nächsten 5 Jahre will die interdisziplinäre und institutsübergreifende Arbeitsgruppe im Herzzentrum der UMG mit dieser Technik die erste Herzkatheter-Behandlung am Menschen ohne Röntgenstrahlung durchführen können.
Darüber hinaus kann bei Patienten mit unregelmäßigem Herzschlag oder starker Unruhe, die bislang nicht mittels MRT untersucht werden konnten, eine gezielte und sichere Gewebeentnahmen von krankhaften Veränderungen des Herzmuskels auch an kritischen Stellen des Herzens durchgeführt werden. Dieses neue Verfahren ist sowohl besonders für Kinder und Erwachsene mit unklaren Herzerkrankungen eine vielversprechende neue Perspektive, als auch für Patienten sehr gut geeignet, die wegen ihrer Erkrankung nicht in der Lage sind, mehrere Sekunden den Atem anzuhalten. Davon profitieren auch Kinder mit angeborenen Herzfehlern, bei denen eine Verkürzung oder gar der Entfall der bislang meist notwendigen Narkose erwartet wird.
Das zweite MRT-Gerät „Avanto fit“ (1,5 Tesla) ist ebenfalls mit der Echtzeit-MRT-Technologie ausgestattet und wird in der Krankenversorgung in den Schwerpunktbereichen der Neurowissenschaften (Kopf und Rückenmark) eingesetzt. Es wiegt knapp 6 to. und kostet ca. 1 Mio. €.
Zur Unterbringung diese beiden Geräte wurde gemäß der sehr konkreten qualitativen und quantitativen Vorgaben von Seiten der Nutzer und Gerätelieferanten bzgl. Strukturierung von Untersuchungs-, Arbeits- und Aufenthaltsbereichen für Patienten und Personal ein eingeschossiges MRT-Forschungsgebäude – mit einer Grundfläche von 781 qm und einer Teilunterkellerung für die Gebäudetechnik – geplant und auf einem mit der Stadt Göttingen abgestimmten Baufeld am Osteingang der UMG realisiert.
Dabei werden die eigentlichen MRT-Untersuchungsräume auf der einen Seite flankiert durch den Patientenflur, beginnend mit einer lichtdurchfluteten, freundlichen Anmeldung. Von dem aus werden die Warte-, Sanitär- und Umkleideräume erreicht. Parallel auf der gegenüberliegenden Seite der MRT verläuft der Personalflur, an dem sich Labore, Röntgenraum, Büros, Personalumkleiden und ein Aufenthaltsraum befinden.
Am 10.01.2014 war der Beginn der Erdarbeiten. Um die weitere Bauzeit zu verkürzen und um – im Hinblick auf die dem Baufeld benachbarte Kinderklinik – Lärm- und Staubbelästigungen so gering wie möglich zu halten, wurde das Gebäude selbst nicht in herkömmlicher Technik errichtet, stattdessen wurde eine modulare Baukonstruktion aus weitgehend werksseitig vorgefertigten Raumzellen/Modulelementen gewählt.
Die Firma Cadolto, die als Generalunternehmer für die schlüsselfertige Realisierung durch ein Ausschreibungsverfahren den Auftrag erhielt, produzierte die 20 bis 28 to. schweren Module, wetterunabhängig in ihrem Werk bei Nürnberg. Die 16 Module mit einer max. Breite von 4,45 m und einer max. Länge von 18,10 m, die bereits mit Fliesen, Steckdosen, Fenstern, Türen und Sanitärobjekte ausgestattet waren, wurden nachts, aus dem etwa 400 KM entfernten Cadolzburg, mit 30 m langen Schwerlast-Tiefladern nach Göttingen transportiert. Dort wurden die Bauteile mit einem Gesamtgewicht von 280 to. durch 2 Kräne mit 40 m Ausladung und 200 bzw. 500 to. Traglast – nur 2 Monate nach Beginn der Erdarbeiten – innerhalb von 2 Tagen passgenau auf die Teilunterkellerung und Fundamente platziert.
Die Herzstücke des Gebäudes, die beiden MRT-Geräte wurden bereits 6 Wochen später per Kran durch abnehmbare Dachöffnungen in die speziell abgeschirmten Untersuchungsräume auf autarke Fundamente gesetzt und montiert.
Bis zur Baufertigstellung wurde dann nur noch vor allem an der technischen Infrastruktur, der Labor- und Möbeleinrichtung, sowie an der Fassade und der Gestaltung der Außenanlagen gearbeitet. Nach einer Bauzeit von weniger als 4 Monaten wurde das Gebäude fertig gestellt, so dass bereits am 01.08.2014 den Nutzern das Gebäude übergeben werden konnte.
Bauzeit:
- Baubeginn Erdarbeiten: 10.01.2014
- Modulstellung: 12.03. – 13.03.2014
- Bodenbelagsarbeiten Fertigstellung: 30.05.2014
- Fassade der Süd- und Westseite Fertigstellung: 30.04.2014
- Strom liegt am Gebäude an: 21.05.2014
- Inbetriebnahme der Lüftungsanlage: 23. KW
- Lieferung der Möbel: 24. KW
- Lieferung und Einbringung der MRT-Geräte: 16.06.2014
- Erste Forschungsuntersuchungen am MRT ohne Magnetfeld: 20.06.2014
- Magnetfeld der MRTs liegen an: 24.06.2014
- Baufertigstellung (Abnahme): 31.07.2014
- Fertigstellungstermin für den Nutzer: 01.08.2014
Flächen und Rauminhalte:
- NUF: 777 m²
- BGF: 1.115 m²
- BRI: 3.586 m³
Bauherr: Universitätsmedizin Göttingen (UMG)
Generalunternehmer: Cadolto Modulbau GmbH


