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Von der molekularen Neurobiologie zur Systemmedizin

Jubiläumsfeier von Prof. Dr. Mathias Bähr, seit 25 Jahren Direktor der Klinik für Neurologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Öffentliche Veranstaltung für Interessierte am Freitag, 17. April 2026, 16:30 Uhr, Hörsaal 81, Robert-Koch-Straße 40, 37075 Göttingen.

Bild zur Presseinformation "Von der molekularen Neurobiologie zur Systemmedizin"
Prof. Dr. Mathias Bähr, Direktor der Klinik für Neurologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Foto: umg/swen pförtner

„Von der molekularen Neurobiologie zur Systemmedizin“ lautet das Thema des Vortrages von Prof. Dr. Mathias Bähr anlässlich seines 25-jährigen Dienstjubiläums als Direktor der Klinik für Neurologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Prof. Bähr leitet die Klinik seit April 2001. In dieser Zeit hat er sich zusammen mit Prof. Dr. Peter Falkai dafür eingesetzt, dass Göttingen einer von zehn Standorten des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) wird. Das Göttinger DZNE wurde 2009 als Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft gegründet. Er war maßgeblich an der Gründung des Instituts für Neuroimmunologie und Multiple-Sklerose-Forschung beteiligt, das gemeinsam von der UMG und der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung errichtet wurde, sowie an der Einrichtung der Abteilung Experimentelle Neurodegeneration der UMG im Rahmen des damaligen Exzellenzclusters „Mikroskopie im Nanometerbereich und Molekularphysiologie des Gehirns“ (CNMPB). Von der Hermann und Lilly Schilling-Stiftung für medizinische Forschung konnte er Mittel für die Einrichtung des Instituts für Kognitive Neurologie an der UMG einwerben und gemeinsam mit Prof. Dr. Gerd Hasenfuß, ehemaliger Direktor der Klinik für Kardiologie und Pneumologie der UMG, die Gründung des Heart & Brain Centers Göttingen (HBCB) der UMG initiieren, dessen Sprecherschaft er seit 2023 innehat. Prof. Bährs wissenschaftlicher Schwerpunkt ist die Erforschung der Parkinson-Krankheit und die Entwicklung neuer Biomarker zur Früherkennung der Erkrankung. 

In seinem Vortrag „Von der molekularen Neurobiologie zur Systemmedizin“ wird Prof. Bähr über seinen wissenschaftlichen Werdegang, wichtige Meilensteine seiner Tätigkeiten und seine Beiträge zum Wissenschaftsstandort Göttingen sprechen. Prof. Dr. Wolfgang Brück, Dekan der Medizinischen Fakultät und Sprecher des Vorstandes der UMG, begrüßt für die Medizinische Fakultät. Ein Grußwort spricht Prof. Dr. Wolfgang Wick, Vorsitzender des Wissenschaftsrates, und die Laudatio hält Prof. Dr. Christian Gerloff, Ärztlicher Direktor und Vorstandvorsitzender des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Die Veranstaltung ist öffentlich und findet statt am Freitag, 17. April 2026, um 16:30 Uhr im Hörsaal 81, Robert-Koch-Straße 40, 37075 Göttingen.

Öffentliche Vorlesung zum 25-jährigen Dienstjubiläum
„Von der molekularen Neurobiologie zur Systemmedizin“
Prof. Dr. Mathias Bähr, Direktor der Klinik für Neurologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG)
Freitag, 17. April 2026, 16:30 Uhr
Hörsaal 81, Robert-Koch-Straße 40, 37075 Göttingen

Prof. Dr. Mathias Bähr, 1960 in Mainz geboren, studierte von 1979 bis 1985 Humanmedizin an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Von 1983 bis 1985 arbeitete er parallel als wissenschaftliche Hilfskraft am von Prof. Dr. Jürgen Peiffer geleiteten Institut für Hirnforschung Tübingen, an dem er 1986 zum Thema „Die Bedeutung der perifaszikulären Atrophie bei der Differentialdiagnose der Polymyositis“ promovierte. Anschließend war er 20 Monate als Zivildienstleistender Arzt bei Prof. Dr. Hans-Joachim Freund an der Neurologischen Klinik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf tätig. Danach forschte er mit einem Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie (heute: Max-Planck-Institut für Biologie Tübingen) bei Prof. Dr. Friedrich Bonhoeffer sowie mit einem Max-Planck-Stipendium an der Washington University in St. Louis, Missouri, USA, bei Prof. Dr. Richard Paul Bunge. Im Jahr 1989 begann er mit dem Aufbau einer eigenen neurobiologisch-molekularbiologischen Arbeitsgruppe, zunächst am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie und ab 1995 parallel auch an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. In dieser Zeit war er unter anderem als wissenschaftlicher Assistent in der Neurologischen Klinik der Universität tätig und absolvierte 1992 eine psychiatrische Ausbildung in der Universitäts-Nervenklinik (heute: Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie) bei Prof. Dr. Gerhard Buchkremer, die er 1993 mit dem Facharzt für Neurologie abschloss. Im selben Jahr habilitierte er sich zum Thema „Zelluläre Grundlagen der neuronalen Regeneration im adulten ZNS“ für das Fach Neurologie an der Eberhard Karls Universität Tübingen. 1994 wurde er Oberarzt an der Klinik für Neurologie und übernahm 1997 die Position eines leitenden Oberarztes sowie 1998 des stellvertretenden Ärztlichen Direktors der Klinik bei Prof. Dr. Johannes Dichgans. Im Jahr 1996 erhielt er eine Herrmann und Lilly Schilling Stiftungsprofessur des Stiftverbandes der Deutschen Wirtschaft. 1998 koordinierte er ein EU-Biotech-Förderprogramm, ein DFG-Schwerpunktprogramm und war stellvertretender Sprecher eines EU-Network-of-Excellence. Im Jahr 2001 folgte er dem Ruf nach Göttingen auf die Professur für Neurologie an der UMG und übernahm die Leitung des Zentrums für Neurologische Medizin, die er mehrere Jahre innehatte, sowie das Direktorat der Abteilung Neurologie am Bereich Humanmedizin der Georg-August-Universität Göttingen (heute: Klinik für Neurologie der UMG). Von 2009 bis 2010 leitete er zudem die die Abteilung Neurodegeneration und Neurorestaurationsforschung in kommissarischer Funktion.       

Forschungsschwerpunkte
Prof. Bähr untersucht grundlegende zelluläre und molekulare Mechanismen, die zu Funktionsstörungen von Nervenzellen und deren Absterben führen. Ziel ist es, die krankheitsverursachenden Mechanismen ausgewählter neurologischer Erkrankungen besser zu verstehen und Therapien zu entwickeln, um die Nervenzellen vor Fehlfunktionen und dem Zelltod zu schützen. Sein zell- und molekular-biologischer Fokus ist die Parkinson-Krankheit. In Kooperation mit anderen Wissenschaftler*innen untersucht er die Aggregatbildung der Proteine Alpha- und Beta-Synuclein, die für die Entstehung der Parkinson-Krankheit ausschlaggebend sind. Diese Synuclein-Aggregate entstehen aufgrund einer fehlerhaften molekularen Proteinstruktur, einer räumlichen Fehlfaltung, wodurch sich zunächst kleinste Eiweiß-Fasern bilden, die dann verklumpen und eine zellschädigende Wirkung haben. Betroffen sind vor allem Nervenzellen, die den Botenstoff Dopamin produzieren und freisetzen, sogenannte dopaminerge Nervenzellen. Durch den Untergang der Nervenzellen kommt es zu einem Dopaminmangel, was ursächlich für die Entstehung der Parkinson-Symptome wie ein Zittern der Hände, Bewegungsverlangsamung oder Muskelsteifheit ist. Parallel forscht er an der Entwicklung neuer Biomarker, um die Krankheit frühzeitig zu diagnostizieren. Seine Forschung hat gezeigt, dass die Parkinson-Krankheit nicht auf das Gehirn beschränkt ist, sondern den gesamten Körper befällt, insbesondere das vegetative Nervensystem von Darm und Herz, das lebenswichtige Körperfunktionen unwillkürlich steuert, zum Beispiel Herzschlag und Verdauung. Hinweise deuten darauf hin, dass die Krankheit zumindest bei einem Teil der Parkinson-Patient*innen nicht im Gehirn, sondern im Darm und Herz entsteht. Diese Erkenntnisse weckten sein Interesse für die Interaktion von Herz und Gehirn und für die Rolle des kardiovaskulären Systems bei neurodegenerativen Erkrankungen. Diese komplexen Interaktionsbeziehungen zwischen den Organen wird er zukünftig noch weiter erforschen. 

Auszeichnungen und Mitgliedschaften
Prof. Bähr erhielt 1994 den Attempto-Preis der Eberhard Karls Universität Tübingen für seine wegweisenden Arbeiten zur Regeneration im Sehsystem nach Verletzungen des Sehnervs, 1995 den Förderpreis des Kuratoriums ZNS und der Hannelore-Kohl-Stiftung für seine translationalen Forschungen zur Nervenregeneration nach traumatischen Verletzungen des Zentralen Nervensystems (ZNS) und 1998 den Wissenschaftspreis der Deutschen Gesellschaft für Neurologie für seine Arbeiten zur Anwendung der Gentherapie im ZNS. 

Im Jahr 2002 wurde er Mitglied des Vorstandes des European Neuroscience Institutes Göttingen (ENI-G), für das er von 2012 bis 2025 die Sprecherfunktion innehatte. Er ist Gründungsmitglied der Neurowissenschaftlichen Gesellschaft in Berlin, war von 2003 bis 2004 Sektionssprecher „Klinische Neurowissenschaften“ im Vorstand, von 2005 bis 2007 Vizepräsident sowie von 2007 bis 2009 Präsident der Gesellschaft. Im Jahr 2005 wurde er in die Deutsche Nationalakademie der Naturforscher Leopoldina aufgenommen und ist seit 2007 einer der wenigen deutschen Mitglieder des Royal College of Physicians in London, Großbritannien. 2008 folgte die Aufnahme in die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Als Experte für Stammzellforschung und Gentherapie wurde er in die Zentrale Ethikkommission am Robert-Koch-Institut in Berlin berufen, wo er seit Gründung des Gremiums im Jahr 2006 stimmberechtigtes Mitglied ist. Von 2019 bis 2025 war er Mitglied des Senates der Georg-August-Universität Göttingen, ist Gründer der Life-Science Liste des Senates und war von 2021 bis 2025 Mitglied des Stiftungsrates.

Er ist Editor der international anerkannten Fachzeitschrift „Molecular and Cellular Neuroscience“ und Herausgeber des Buches Neurologisch-topische Diagnostik. In der Vergangenheit war er ebenfalls Mitglied in den Editorial-Boards des „Journal of Neuroscience“, des „Journal of Neurochemistry“ sowie der Fachzeitschrift „Neurobiology of Disease und Experimental Neurology“.

Pressekontakt:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Leitung Unternehmenskommunikation
Lena Bösch
Von-Siebold-Str. 3, 37075 Göttingen
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