Präzision im Millimeterbereich: UMG startet mit innovativer Titan-Hörprothese

Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) setzt ab sofort eine weiterentwickelte Titan-Hörprothese ein, die ein Hörgerät ersetzen kann. Die hochpräzise Implantatlösung hilft Menschen, die unter Otosklerose leiden, einer fortschreitenden Schwerhörigkeit. Für viele Betroffene bietet der mikrochirurgische Eingriff die Möglichkeit auf dauerhaft gutes Hören und damit auf deutlich mehr Lebensqualität.

Kleiner als eine 1-Cent-Münze: Die individuell angefertigte Titan-Hörprothese hilft Menschen mit Otosklerose, einer fortschreitenden Schwerhörigkeit. Foto: umg/valentin steininger
Ein kurzer mikrochirurgischer Eingriff in der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde der Universitätsmedizin Göttingen (UMG): Die Titan-Hörprothese wird in das Ohr eines Patienten eingesetzt. Foto: umg/lena bösch

Wer schlecht hört, ist häufig von Otosklerose betroffen. In Deutschland leiden mehrere hunderttausend Menschen an dieser Erkrankung – viele davon sind schwerhörig oder von zunehmender Schwerhörigkeit bedroht. Laut Studien sind Frauen deutlich häufiger von Otosklerose betroffen als Männer. Besonders häufig treten Symptome im Alter zwischen 20 und 40 Jahren auf, also gerade im gebärfähigen oder hormonell aktiven Lebensabschnitt. Diese Verteilung lässt Forschende vermuten, dass hormonelle Einflüsse eine Rolle bei der Erkrankung spielen könnten, etwa im Rahmen einer Schwangerschaft. Bei Otosklerose verknöchert ein Teil der Gehörknöchelchenkette, der sogenannte Steigbügel. Durch diese Verknöcherung verliert der Steigbügel seine Beweglichkeit, sodass Schall nicht mehr richtig auf das Innenohr übertragen wird. Die Folge ist ein Hörverlust. 

In der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) wird deshalb ab sofort eine weiterentwickelte Titan-Hörprothese eingesetzt, um erkrankten Menschen eine Alternative zum Hörgerät zu bieten. Die Prothese ist eine gemeinsame Entwicklung der UMG mit einem österreichischen Industriepartner und wurde nun erstmalig bei Patient*innen eingesetzt. Bei der mikrochirurgischen Operation wird der erkrankte oder verknöcherte Steigbügel durch ein Implantat aus Titan mit einer Länge von 4 bis 5 Millimetern und einem Durchmesser von 0,4 Millimetern ersetzt – deutlich kleiner also als eine 1-Cent-Münze. Jede Prothese wird individuell an die anatomischen Verhältnisse der*des jeweiligen Patient*in angepasst, um eine optimale Schallübertragung zu gewährleisten. Der Eingriff dauert meist nur rund 30 Minuten und viele Patient*innen berichten bereits kurze Zeit nach der Operation von einem deutlich verbesserten Hörvermögen. 

„Mit dieser hochpräzisen Titan-Hörprothese können wir vielen Menschen das Hören zurückgeben und damit Lebensqualität, Selbstständigkeit und Teilhabe am Alltag sichern“, sagt Prof. Dr. Dirk Beutner, Direktor der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde der UMG. „Wir sind überzeugt, dass diese Technologie vielen Betroffenen helfen kann — mit dauerhaft stabilen Hörergebnissen.“

Der Einsatz der Titan‑Prothese bietet gegenüber älteren Mittelohrimplantaten oder Hörgeräten mehrere Vorteile: Die Ankopplung ist stabil und langlebig, sie erlaubt eine vibrationsfähige Schallübertragung und reduziert das Risiko von Folgeproblemen. Dank des stabilen, dauerhaft funktionierenden Implantats ohne extern sichtbare Komponenten gewinnen Patient*innen das natürliche Hören zurück – im Gegensatz zu manchen Hörgeräten. 

Ein Hörgerät nutzte auch Larissa Wegner über viele Jahre. Sie war eine der ersten Patientinnen, bei der die Hörprothese implantiert wurde. „Während meines Studiums hatte ich gemerkt, dass ich immer schlechter höre. In den Vorlesungen musste ich mich immer in die erste Reihe setzen, um die Dozierenden noch verstehen zu können“, erinnert sich die heute 29-Jährige. Zunächst wurde ihr ein Hörgerät empfohlen, aber das Sprachverstehen wurde zunehmend schwieriger. Auch für ihr Umfeld war ihr schlechtes Hören belastend, erzählt Wegner. Deswegen war der Schritt in Richtung Operation für sie genau der richtige. Der Eingriff an ihrem rechten Ohr verlief schnell und problemlos. Nach zehn Tagen mit einem Verband im Ohr kam der erlösende Moment: „Die ersten Tage waren der Wahnsinn. Ich habe mich gefühlt wie eine Darstellerin in einem Kriegsfilm: Überall um mich herum krachte und knallte es – ich habe alles gefühlt zehnmal so laut gehört“, sagt Larissa Wegner. Deswegen geht es nun auch gleich weiter für sie: Im März 2026 wird das zweite Ohr operiert. Larissa Wegner ist zuversichtlich. 

Mit der Einführung dieses Hörimplantats setzt die UMG ein klares Zeichen für moderne, patientenzentrierte HNO-Versorgung: Durch individuelle Anpassung, innovativer Technik und hochwertige Materialien wird die Behandlung von Otosklerose-Patient*innen deutlich verbessert. 

Ansprechpartner Fachbereich: 
Prof. Dr. Dirk Beutner, Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Telefon 0551 / 39-63771, mandy.daehling(at)med.uni-goettingen.de

Pressekontakt:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
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