Forschungskooperation mit Israel – Göttingen Campuspartner erhalten mehr als zwei Millionen Euro für vier biomedizinische Projekte


Forschende am Göttingen Campus erhalten insgesamt mehr als zwei Millionen Euro vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur und der VolkswagenStiftung für vier Kooperationsprojekte mit Israel: Zwei der Forschungsvorhaben werden von der Universitätsmedizin Göttingen koordiniert sowie jeweils ein Projekt vom Deutschen Primatenzentrum – Leibniz-Institut für Primatenforschung und vom Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften. Die geförderten Projekte decken ein breites Spektrum zukunftsweisender Biomedizin ab: Sie reichen von der Erforschung zentraler Netzwerke im Gehirn für die Anpassung von Bewegungen, die biologische Reparatur eines geschwächten Zwerchfells über die Verarbeitung und Bewertung sozialer Reize im Gehirn von Primaten bis hin zur Entwicklung neuer Strategien, um die Proteinregulation in menschlichen Zellen zu beeinflussen. Die Projekte starten zeitversetzt im Jahr 2026 und haben eine Laufzeit von vier Jahren.
„Die Forschungsförderung zwischen Niedersachsen und Israel verbindet zwei starke Wissenschaftslandschaften. Gemeinsam wollen wir Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft entwickeln. Neben dem wissenschaftlichen Mehrwert setzen wir damit auch das deutliche Signal: Wir stehen solidarisch an der Seite unserer Partner*innen in Israel. Ich bin sicher, dass die vertiefte Zusammenarbeit auch außerhalb von Laboren und Seminarräumen insbesondere junge Forschende einander näherbringt. Wir wollen die tiefe Verbundenheit zwischen Niedersachsen und Israel weiter mit Leben füllen“, sagt Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs.
An der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) untersuchen die Forschenden im Projekt „Auf dem Weg zu einer regenerativen Therapie für das Zwerchfell“ neue Ansätze zur Behandlung einer geschwächten Atemmuskultur. Das Zwerchfell ist ein zentraler Muskel für die Atmung. Wenn dieser geschwächt ist, benötigen die Patient*innen eine lebenslange Atemunterstützung. „In unserem Projekt werden wir den Zwerchfellmuskel mit gesunden Muskelvorläuferzellen verjüngen“, sagt Priv.-Doz. Dr. Malte Tiburcy, Leiter der Arbeitsgruppe „Modellierung von Muskelerkrankungen“ am Institut für Pharmakologie und Toxikologie der UMG und Projektkoordinator. „Wir werden testen, ob Muskelzellen allein ausreichen oder ob die Zugabe von Stützzellen einen besseren Einbau in den erkrankten Muskel ermöglicht.“ Hauptziel ist es, durch eine biologische Reparatur des Zwerchfells die Notwendigkeit von technischen Atemhilfen zu überwinden und für Patient*innen mit lebensbedrohlichen Atembeschwerden eine neuartige Behandlung zu ermöglichen. Das Projekt wird mit mehr als 520.000 Euro gefördert und erfolgt in Zusammenarbeit mit Dr. Peleg Hasson, Technion – Technologisches Institut in Haifa, Israel. Projektstart ist der 1. April 2026.
Im UMG-Projekt „Neudefinition des „motorischen“ Thalamus: parallele thalamokortikale Schaltkreise für die sensomotorische Anpassung bei Gesundheit und Krankheit“ untersuchen die Forschenden, wie das Gehirn auf ungewohnte Situationen reagiert und Bewegungen an neue Gegebenheiten anpasst. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf Interaktionen zwischen verschiedenen Kernen im Thalamus, die die Bewegungssignale regulieren, und dem prämotorischen Kortex, der für die Bewegungsplanung im Gehirn verantwortlich ist. „Wir wollen die Zusammenarbeit der Signalwege zwischen diesen Hirnregionen verstehen und untersuchen was passiert, wenn diese nicht mehr funktionieren, zum Beispiel bei Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben und Teile des Gehirns beschädigt wurden“, sagt Prof. Dr. Melanie Wilke, Direktorin des Instituts für Kognitive Neurologie der UMG und Koordinatorin des Projekts. In der Studie werden Patient*innen Aufgaben lösen, die ein koordiniertes Zusammenspiel von Wahrnehmung und Bewegungslernen erfordern. Parallel werden diese Aufgaben von Rhesusaffen durchgeführt, und es wird untersucht, wie die Hirnregionen auf zellulärer Ebene interagieren. Ziel der Forschung ist es, das Verständnis von sensomotorischem Lernen zu verbessern und langfristig gezielte Hilfen für Menschen mit Bewegungsstörungen zu entwickeln. Das Projekt wird mit mehr als 520.000 Euro gefördert und erfolgt in Zusammenarbeit mit Dr. Igor Kagan, Deutsches Primatenzentrum, und Prof. Dr. Yifat Prut, Hebräische Universität Jerusalem, Israel. Projektstart ist der 1. Juni 2026.
Am Deutschen Primatenzentrum (DPZ) – Leibniz-Institut für Primatenforschung untersuchen die Forschenden im Projekt „Neuronale Repräsentationen sozialer Werte bei Primatenarten“, wie soziale Reize im Gehirn von Primaten verarbeitet und bewertet werden. Soziale Signale wie Gesichtsausdrücke beeinflussen Emotionen, Entscheidungen und Verhalten – oft unbewusst. „Wir möchten verstehen, wie das Gehirn positiven Interaktionen Bedeutung zuweist“, sagt Dr. Raymundo Báez Mendoza, Leiter der Nachwuchsforschungsgruppe „Soziale Neurobiologie“ am DPZ und Koordinator des Projekts. Die Verhaltensstudien werden mit neurophysiologischen Messungen bei Weißbüschelaffen und Javaneraffen kombiniert. Die Tiere bearbeiten Aufgaben am Bildschirm und verknüpfen Gesichter mit positiven Erfahrungen. Gleichzeitig messen die Forschenden die Aktivität verschiedener Nervenzellen in Hirnregionen, die für die Regulierung von Emotionen und die Entscheidungsfindung wichtig sind. Ziel ist es, die neuronalen Grundlagen sozialer Wahrnehmung besser zu verstehen und langfristig neue Ansatzpunkte für die Behandlung sozialer Angststörungen, Depressionen und weiterer psychiatrischer Erkrankungen zu eröffnen. Das Projekt wird mit rund 500.000 Euro gefördert und erfolgt in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Rony Paz, Weizmann-Institut für Wissenschaften in Rehovot, Israel. Projektstart ist der 1. Mai 2026.
Mit dem Projekt „Mehrdimensionale Innovationsansätze zur Erschließung allosterischer Mechanismen in HECT-Ubiquitinligasen“ untersuchen Forschende um Sonja Lorenz vom Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften (MPI-NAT) therapeutische Möglichkeiten im Ubiquitin-System. Dieses System ähnelt einem molekularen Poststempel, der die Funktionen und Lebenszeiten von Proteinen in menschlichen Zellen steuert und eine wichtige Rolle in vielen Krankheitsprozessen spielt. „Wir werden mittels kreativer Technologien unser grundlegendes Verständnis des Ubiquitin-Systems erweitern und neue Wege erproben, das System zu beeinflussen“, erklärt Lorenz, Forschungsgruppenleiterin am MPI-NAT und Koordinatorin des Projekts. „Unser besonderes Augenmerk liegt dabei auf sogenannten Ubiquitinligasen – hochpräzisen molekularen Maschinen, die den Ubiquitin-Poststempel‘ auf Zielproteinen anbringen.“ Hauptziel der Forschung ist es, Wirkstoffe zu entwickeln, die gezielte Einblicke in Aktivität und Angreifbarkeit krankheitsrelevanter Ubiquitinligasen erlauben. Das Projekt wird mit rund 500.000 Euro gefördert und erfolgt in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Gali Prag, Universität Tel Aviv, Israel. Projektstart ist der 1. April 2026.
Ansprechpartner*innen Fachbereiche:
Priv.-Doz. Dr. Malte Tiburcy, Institut für Pharmakologie und Toxikologie der UMG, Telefon 0551 / 39-68183, m.tiburcy(at)med.uni-goettingen.de
Prof. Dr. Melanie Wilke, Institut für Kognitive Neurologie der UMG, Telefon 0551 / 39-67684, melanie.wilke(at)med.uni-goettingen.de
Dr. Raymundo Báez Mendoza, Deutsches Primatenzentrum GmbH – Leibniz-Institut für Primatenforschung, Telefon 0551 / 3851-130, RBaezMendoza(at)dpz.eu
Dr. Sonja Lorenz, Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften, Telefon 0551 / 201-1757, sonja.lorenz(at)mpinat.mpg.de
Pressekontakt:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Leitung Unternehmenskommunikation
Lena Bösch
Von-Siebold-Str. 3, 37075 Göttingen
Telefon 0551 / 39-61020
Fax 0551 / 39-61023
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Deutsches Primatenzentrum GmbH – Leibniz-Institut für Primatenforschung
Stabsstelle Kommunikation
Dr. Susanne Diederich
Telefon 0551 / 3851-359
sdiederich(at)dpz.eu
www.dpz.eu
Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften
Leitung Kommunikation
Dr. Carmen Rotte
Am Faßberg 11, 37077 Göttingen
Telefon 0551 / 201-1304
carmen.rotte(at)mpinat.mpg.de
www.mpinat.mpg.de