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Innovative Hirnelektroden ermöglichen gezieltere Behandlung von Parkinson

Die Klinik für Neurochirurgie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) hat zwei neuartige Elektroden erfolgreich in das Gehirn eines Parkinson-Patienten für die tiefe Hirnstimulation implantiert. Die 16-Kontakt-Elektroden lassen sich gegenüber den herkömmlichen 8-Kontakt-Elektroden gezielter steuern und versprechen somit eine präzisere Therapie, um Symptome effektiv zu lindern und gleichzeitig unerwünschter Nebenwirkungen zu minimieren.

Bild zur Presseinformation "Erfolgreiche Implantation neuartiger Elektrode an der UMG zur präziseren Behandlung von Parkinson-Symptomen"
Die 16-Konakt-Elektrode (links) verfügt über eine höhere Anzahl an Kontakten (Vergrößerung rechts) als herkömmliche Elektroden für eine gezieltere Stimulation zur Behandlung von Bewegungsstörungen. Foto: umg/charlotte flüh

Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung, bei der schrittweise Nervenzellen im Gehirn absterben. Dies kann zu verlangsamten Bewegungen, Zittern, versteiften Muskeln sowie Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen führen. Mit fortschreitender Krankheit verschlimmern sich diese Symptome und beeinträchtigen zunehmend die Fähigkeit der Patient*innen, ihren Alltag selbstständig zu bewältigen. Laut der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen wurden im Jahr 2016 etwa 6,1 Millionen Parkinson-Patient*innen weltweit verzeichnet. 

Eine Behandlungsmöglichkeit für die fortgeschrittene Parkinson-Krankheit ist die tiefe Hirnstimulation (THS), ein neurochirurgisches Verfahren, bei dem Elektroden in den sogenannten Nucleus subthalamicus eingesetzt werden – ein knapp sieben Millimeter großes Kerngebiet im Zwischenhirn, das bei der Steuerung von Bewegungen eine wichtige Rolle spielt. Durch die Abgabe milder elektrischer Impulse durch die Elektroden wird dieser Bereich dauerhaft stimuliert, um die bei Parkinson auftretenden Bewegungsstörungen zu verbessern.

Priv.-Doz. Dr. Charlotte Flüh, Oberärztin in der Klinik für Neurochirurgie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), hat nun erstmals an der UMG zwei neue 16-Kontakt-Elektroden erfolgreich in das Gehirn eines Parkinson-Patienten implantiert. Diese Elektroden verfügen über die doppelte Anzahl an Kontakten als die bisher verwendeten Elektroden. 

Aufgrund der Anordnung und der höheren Anzahl der Kontakte kann das elektrische Feld in seiner Ausrichtung präziser gelenkt werden. „Dadurch wird der Stimulationsbereich besser abgedeckt und bietet mehr Flexibilität bei der gezielten Steuerung des elektrischen Stroms, um den Zellkern optimal ‚zu reizen’. Dadurch können wir unsere Patient*innen jetzt noch individueller behandeln und fortgeschrittene Bewegungsstörungen wie beispielsweise das Zittern oder Muskelsteifheit effektiv reduzieren“, sagt Priv.-Doz. Dr. Flüh. Prof. Dr. Veit Rohde, Direktor der Klinik für Neurochirurgie der UMG, ergänzt: „Die Art der Implantation und die Risiken der Operation unterscheiden sich nicht zwischen den herkömmlichen und den neuartigen Elektroden, wohl aber im erwarteten Ergebnis bei gleichzeitig geringeren Nebenwirkungen. Wir freuen uns, unseren Patient*innen diese innovative Therapie ab sofort anbieten zu können.“

Das Verfahren
Die im Gehirn platzierten Elektroden sind mit einem Impulsgeber verbunden, der in Größe und Form einem Herzschrittmacher ähnelt, dem sogenannten Hirnschrittmacher. Dieser wird unterhalb des Schlüsselbeins unter der Haut eingesetzt. Über Kabel, die ebenfalls unter der Haut verlaufen, wird dieser mit den Hirnelektroden verbunden. Durch die kontinuierliche hochfrequente elektrische Stimulation kommt es zu einer Hemmung des angesteuerten Kerngebietes, wodurch übermäßige motorische Aktivitäten wie zum Beispiel das Zittern der Hände bei der Parkinson-Krankheit gemindert werden. 

Ansprechpartnerin Fachbereich: 
Priv.-Doz. Dr. Charlotte Flüh, Klinik für Neurochirurgie, Telefon 0551 / 39-61777, charlotte.flueh(at)med.uni-goettingen.de

Pressekontakt:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Leitung Unternehmenskommunikation
Lena Bösch
Von-Siebold-Str. 3, 37075 Göttingen
Telefon 0551 / 39-61020
Fax 0551 / 39-61023
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