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Bessere Versorgung bei Blutvergiftung – UMG an bundesweitem Großprojekt beteiligt

Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) ist an einem Kooperationsprojekt zur besseren Versorgung von Patient*innen mit Blutvergiftung beteiligt. Das Forschungsvorhaben unter Konsortialleitung des Universitätsklinikums Leipzig, soll im September 2026 starten und wird vom Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) mit insgesamt 7,5 Millionen Euro gefördert.

+++ Gemeinsame Presseinformation mit dem Universitätsklinikum Leipzig +++

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Prof. Dr. Sabine Blaschke-Steinbrecher, Ärztliche Leiterin der Zentralen Notaufnahme der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Foto: umg/frank stefan kimmel

Eine Blutvergiftung, auch Sepsis genannt, zählt mit rund 75.000 Todesfällen jährlich zu den häufigsten vermeidbaren Todesursachen in Deutschland. Trotz zahlreicher Qualitätsinitiativen bestehen weiterhin Defizite – von der Vorsorge und frühzeitigen Erkennung über die Diagnostik und Therapie bis zur Nachsorge. 

Genau hier setzt das bundesweite Kooperationsprojekt „optiSEP – Transsektorale Optimierung der Versorgungsprozesse bei Sepsis auf Basis interoperabler Routinedaten“ unter Konsortialführung des Universitätsklinikums Leipzig (UKL) an. Ziel ist es, die Versorgung von Sepsispatient*innen sektorenübergreifend zu verbessern und kritische Schwachstellen entlang der Behandlungskette – von Rettungsdienst und Notaufnahme über Intensivstation bis zur Rehabilitation – konsequent zu beheben. Prof. Dr. Sabine Blaschke-Steinbrecher, Ärztliche Leiterin der Zentralen Notaufnahme der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), übernimmt die methodische Projektleitung, insbesondere die Koordination und Durchführung der klinischen Studie mit insgesamt zehn beteiligten universitären Notaufnahmen. Es wird untersucht, ob die Diagnose einer Sepsis bereits in der Notfallversorgung durch die Einführung gezielter Maßnahmen früher gestellt werden kann. Darüber hinaus soll durch neue Verfahren im weiteren Behandlungsverlauf die Versorgungsqualität verbessert und hierdurch die Sterberate gesenkt werden.  Das Forschungsvorhaben wird mit insgesamt 7,5 Millionen Euro vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördert und startet voraussichtlich im September 2026. 

Dr. Alexandra Ramshorn-Zimmer, Leiterin des Klinischen Prozessmanagements am UKL, Projektinitiatorin und Konsortialführende, betont: „Mit optiSEP schaffen wir die Voraussetzungen, moderne Diagnostik, digitale Datenströme und strukturierte Behandlungspfade so zu verbinden, dass Patient*innen schneller und zielgerichteter profitieren. Unser Anspruch ist es, die Versorgungskette nicht nur zu analysieren, sondern konkret so zu verbessern, dass an den Schnittstellen weniger Information verloren geht und die Behandlungsqualität messbar steigt.“

Kern des Projekts ist die digital verknüpfte, interoperable Nutzung von Routinedaten aus allen Phasen der Patientenbehandlung. Auf dieser Grundlage werden künftig datengestützte Entscheidungshilfen entwickelt, um gefährliche Verläufe früher zu erkennen und klinische Entscheidungen schneller zu unterstützen. Ergänzend sollen standardisierte Behandlungspfade sicherstellen, dass die aktuellen evidenzbasierten Sepsis-Leitlinien im gesamten Versorgungsprozess einheitlich und zuverlässig umgesetzt werden. Ein patientenzentriertes Nachsorgekonzept zielt darauf ab, Langzeitfolgen nach überstandener Sepsis zu reduzieren.

„Sepsis kennt keine Sektorengrenzen. Für eine erfolgreiche Behandlung müssen Rettungsdienst, Notaufnahme, Intensivstation und Rehabilitation nahtlos ineinandergreifen“, sagt Prof. Dr. Felix Walcher, Direktor des Instituts für Public Health in der Akutmedizin an der Universitätsmedizin Magdeburg. „Mit optiSEP verbinden wir moderne datengestützte Entscheidungshilfen, diagnostische Innovation und standardisierte Behandlungspfade, um die Versorgung transsektoral und nachhaltig zu verbessern.“

Eine zentrale Rolle spielt die molekulare Erregerdiagnostik mittels Next-Generation Sequencing (NGS). Während klassische Kulturen Erreger nicht immer oder nur verzögert nachweisen können, identifiziert NGS Krankheitserreger direkt über ihr genetisches Material. Dadurch lassen sich auch schwer kultivierbare Erreger besser erfassen. Somit können antiinfektive Therapien – insbesondere bei zeitkritischen Verläufen – früher und gezielter angepasst werden. 

Im zweistufigen Auswahlverfahren des Innovationsauschusses überzeugte das Projekt durch sein umfassendes, praxisnahes Konzept. Die Förderzusage erhält zusätzliches Gewicht vor dem Hintergrund der kürzlich beschlossenen Halbierung des Innovationsfonds-Budgets für 2026 und unterstreicht die hohe versorgungspolitische Relevanz des Themas.

Perspektivisch hat optiSEP das Potenzial, als Modell für weitere Indikationen zu dienen – und setzt zugleich wesentliche Anforderungen des zum 1. Januar 2026 gestarteten Qualitätssicherungsverfahrens „Diagnostik und Therapie der Sepsis“ in die Praxis um.

Hintergrund: optiSEP-Konsortium und wissenschaftliche Basis
Das optiSEP-Konsortium vereint ausgewiesene Expertise aus Intensivmedizin, Notfallmedizin, Infektiologie und Medizininformatik. Unter der Konsortialführung des Universitätsklinikums Leipzig arbeiten unter anderem folgende Partner zusammen:

  • Prof. Dr. Thorsten Brenner, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Universitätsklinikum Essen

  • Prof. Dr. Sabine Blaschke, Ärztliche Leitung, Zentrale Notaufnahme, Universitätsmedizin Göttingen

  • Prof. Dr. Felix Walcher, Direktor des Instituts für Public Health in der Akutmedizin, Universitätsmedizin Magdeburg

  • Prof. Dr. Rainer Röhrig, Direktor des Instituts für Medizinische Informatik, Universitätsklinikum RWTH Aachen

optiSEP baut auf den Erfahrungen des Vorgängerprojekts DigiSep auf, entstand aus der Zusammenarbeit wissenschaftlicher Sektionen der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) e.V. und nutzt die über das Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) geförderte AKTIN-Infrastruktur als technologische Grundlage zur standardisierten Erfassung interoperabler Notaufnahmedaten und zur sektorenübergreifenden Datenverknüpfung. Damit adressiert optiSEP ein zentrales Problem der Akut- und Notfallversorgung: Informationsverluste an sektoralen Schnittstellen – etwa zwischen Rettungsdienst, Notaufnahme und Intensivstation.

Ansprechpartnerin Fachbereich: 
Prof. Dr. Sabine Blaschke-Steinbrecher, Zentrale Notaufnahme, Telefon 0551 / 39-68910, sabine.blaschke(at)med.uni-goettingen.de

Pressekontakt:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Leitung Unternehmenskommunikation
Lena Bösch 
Von-Siebold-Str. 3, 37075 Göttingen
Telefon 0551 / 39-61020
Fax 0551 / 39-61023
presse.medizin(at)med.uni-goettingen.de
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