Auf den Spuren von Parkinson: Millionenförderung für Forschungsteam der UMG

Die Parkinson-Krankheit ist durch ein schrittweises Absterben von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet, welches zu verlangsamten Bewegungen, Zittern, versteiften Muskeln sowie Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen führen kann. Laut dem Dachverband Parkinson´s Europe sind derzeit weltweit mehr als 10 Millionen Menschen von dieser Krankheit betroffen. Die molekularen Mechanismen, die der Krankheit zugrunde liegen, sind bisher nicht vollständig geklärt, sodass derzeit keine Heilung in Sicht ist.
Um diese Wissenslücke zu schließen, hat ein internationales Team unter Beteiligung der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) eine Förderung in Höhe von rund 7,7 Millionen Euro von der Forschungsinitiative „Aligning Science Across Parkinson's“ (ASAP) für die kommenden drei Jahre erhalten. Die UMG erhält knapp 1,8 Millionen Euro der Fördersumme und ist der einzige deutsche Partner im Projekt. Beteiligt sind zudem die University of Dundee in Schottland, Großbritannien, sowie die Harvard University in Cambridge, Massachusetts, USA, und die University of California in Los Angeles, Kalifornien, USA. Die Erkenntnisse könnten langfristig den Weg für neue Therapieansätze ebnen.
Energieproduzenten der Zelle im Fokus der Forschung
Die Forschenden fokussieren auf die Mitochondrien, die wichtigsten Energieproduzenten der Zellen. Diese reagieren besonders empfindlich auf zellulären Stress, der zu Fehlfunktionen der Mitochondrien, zu einem Absterben der Nervenzellen und letztlich zur Parkinson-Krankheit führen kann. Die Forschenden werden anhand von Hirngewebe von Parkinson-Patient*innen sowie an Mausmodellen und aus Stammzellen gezüchteten menschlichen Nervenzellen eine detaillierte Untersuchung der Signalwege durchführen, deren Funktionsstörung den Abbau der beschädigten Mitochondrien beeinflusst. Basierend auf vorherigen Ergebnissen, könnte dieser gestörte Abbau eine Schlüsselrolle bei der Entstehung und dem Fortschreiten der Parkinson-Krankheit spielen. Im Weiteren werden verschiedene Auslöser für mitochondriale Schäden analysiert, zum Beispiel Gendefekte, die die Verdoppelung des mitochondrialen Erbgutes verhindern, oder ein gestörter Transport von Proteinen in das Innere der Mitochondrien.
Die Forschung des UMG-Teams, bestehend aus Prof. Dr. Christine Stadelmann-Nessler und Prof. Dr. Rubén Fernández-Busnadiego aus dem Institut für Neuropathologie sowie Prof. Dr. Brit Mollenhauer aus der Klinik für Neurologie und der Paracelsus Elena Klinik Kassel, konzentriert sich insbesondere auf die molekulare und strukturelle Charakterisierung der Mitochondrien im Gehirn von Parkinson-Patient*innen. Dabei kommen modernste Technologien wie die räumliche Transkriptomik zum Einsatz. Diese funktioniert wie ein „molekulares GPS“ – die Forschenden können sehen, welche Gene in bestimmten Zellen „eingeschaltet“ sind und wie sich diese Zellen im Gewebe verteilen und gegenseitig beeinflussen. Mit der Kryo-Elektronentomographie wird zudem die Struktur der Mitochondrien in nahezu atomarer Auflösung untersucht. Bei diesem bildgebenden Verfahren werden die Gewebeproben in ihrem ursprünglichen Zustand bei weniger als -150 Grad Celsius schockgefroren. Dies ermöglicht die dreidimensionale Darstellung der Mitochondrien und weiterer Zellbestandteile, da die Proben aus verschiedenen Winkeln fotografiert werden können.
„Ziel unserer Studie ist es, die molekularen Ursachen für die krankhaften Veränderungen der Mitochondrien zu entschlüsseln“, sagt Prof. Dr. Rubén Fernández-Busnadiego, Leiter der Arbeitsgruppe „Strukturelle Zellbiologie” am Institut für Neuropathologie der UMG. „Wir hoffen mit unserer Forschung, molekulare und strukturelle Grundlagen für künftige Therapieansätze zur Behandlung der Parkinson-Krankheit zu schaffen.“
Über Forschungsinitiative „Aligning Science Across Parkinson’s“ (ASAP)
„Aligning Science Across Parkinson’s“ (ASAP), zu Deutsch „Wissenschaftliche Zusammenarbeit im Bereich Parkinson“, ist eine weltweite Forschungsinitiative, die das Ziel verfolgt, die Zusammenarbeit, die Bereitstellung von Ressourcen und den Datenaustausch zu fördern, um Fortschritte in der Parkinson-Forschung voranzutreiben.
Ansprechpartner Fachbereich:
Prof. Dr. Rubén Fernández-Busnadiego, Institut für Neuropathologie, Telefon 0551 / 39-60745, ruben.fernandezbusnadiego(at)med.uni-goettingen.de
Pressekontakt:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Leitung Unternehmenskommunikation
Lena Bösch
Von-Siebold-Str. 3, 37075 Göttingen
Telefon 0551 / 39-61020
Fax 0551 / 39-61023
presse.medizin(at)med.uni-goettingen.de
www.umg.eu