So hat sich die UMG-Notaufnahme auf die Corona-Pandemie vorbereitet

Deutschlandweit stehen die Notaufnahmen der Krankenhäuser in der aktuellen Corona-Pandemie unter Druck. Die Notaufnahmen sind die wichtigste Eintrittspforte in die Kliniken. Als erste Anlaufstelle für alle Notfallpatient*innen ist hier das Risiko einer Übertragung der Corona-Infektion am größten. Daher ist der Infektionsschutz von Patient*innen und Mitarbeitenden eine große Herausforderung. Die Notaufnahme muss eine strikte Isolation der infizierten COVID-19-Patient*innen sicherstellen. Diese muss in besonders eingerichteten Räumlichkeiten stattfinden, die u.a. über eine Personal- und Patientenschleuse verfügen. Ebenso ist für alle Prozesse in der Notaufnahme eine strenge Trennung von COVID-19 und Nicht-COVID-19 Notfällen wichtig. Hierzu gehören die Ersteinschätzung, die primäre Notfalldiagnostik und -therapie sowie die Entlassung oder stationäre Aufnahme der Notfallpatient*innen.

Verdachtsfälle werden schnell isoliert

Da in der aktuellen Pandemielage die meisten Notfallpatient*innen ohne eine vorherige Diagnostik in die Notaufnahme kommen, gilt es darüber hinaus, auch alle möglicherweise infizierten Verdachtsfälle schnellstmöglich zu identifizieren und diese zunächst von der übrigen Notfallversorgung zu isolieren, bis der Befund der Abstrichuntersuchung vorliegt. Aufgrund begrenzter räumlicher und personeller Ressourcen, sind diese Herausforderungen nicht einfach zu meistern.

Welche Maßnahmen wurden getroffen?

Prof. Dr. Sabine Blaschke, Ärztliche Leitung der Interdisziplinären Notaufnahme

So hat das Team der Notaufnahme in enger Kooperation mit dem Krisenstab der UMG schon zu Beginn der Corona-Pandemie die personellen, strukturellen und organisatorischen Prozesse angepasst.

  • Personal: Zusätzliches Personal wurde in der Notaufnahme eingesetzt und eine Leitungsstruktur etabliert, die in jeder Schicht einen Notfallkoordinator vorsah.
  • Lagebesprechungen: Durch tägliche Lagebesprechungen wurde ein schneller Informationstransfer in allen Bereichen gewährleistet und hat so zu einer hohen Transparenz aller internen Maßnahmen beigetragen.
  • Strukturierte Handlungsanweisungen: Strukturierte Handlungsanweisungen wurden erstellt, in denen die neuen Abläufe - von der Aufnahme von COVID-19-Notfällen und -Verdachtsfällen, über den Transport, die Notfalldiagnostik, die Therapie bis hin zur Versorgung in den Fachabteilungen und die stationäre Aufnahme auf speziell definierten COVID-19- Stationen festgelegt wurden.

Auch dies konnte nur in enger Zusammenarbeit mit dem Krisenstab der UMG und den verschiedenen Fachdisziplinen erfolgreich umgesetzt werden.

Koordination und Vernetzung

Um die Verweildauer der Notfallpatient*innen in der Notaufnahme zu verkürzen, wurde eine eigene Bettenkoordination aufgebaut, die eine zügige Verlegung und Aufnahme sicherstellen sollte. Parallel dazu wurde unter der Leitung des Vorstandsbereichs Krankenversorgung ein Netzwerk der südniedersächsischen Kliniken aufgebaut. Durch eine enge Kooperation sollte in einer Phase der Überlastung die Versorgung der Notfallpatienten in allen Krankenhäusern sichergestellt werden.

In den Krisenstabssitzungen der Stadt Göttingen fand parallel  ein enger Austausch der Notaufnahme der UMG mit den Gesundheitsämtern der Region sowie allen städtischen Vertretern statt, so dass stets ein Überblick über die aktuellen Entwicklungen und Maßnahmen in Stadt und Landkreis gewonnen wurde. Durch tagesaktuelle Informationen zu neu aufgetretenen Infektionshäufungen in Pflegeheimen oder den Hochhäusern der Stadt Göttingen konnten so die Abläufe in der Notaufnahme entsprechend angepasst werden.

Räumliche Anpassungen

Räumlich mussten aus Gründen des Infektionsschutzes in der Notaufnahme viele Aspekte bedacht werden, um die Trennung der Nicht-COVID- und COVID-Notfälle umzusetzen. Für die Versorgung von Nicht-COVID-19-Notfallpatient*innen kamen u.a. weitere Behandlungsplätze im Bereich der neurologischen Tagesklinik hinzu. Im Rahmen einer Amtshilfe durch die Bundeswehr wurde ein Notfall-CT für die Primärdiagnostik der Lungenbeteiligung von COVID-19-Fällen vor der Notaufnahme installiert. Zudem wurde in der Notaufnahme ein Corona-Bereich mit Isolationsräumen für die Erstversorgung von COVID-19-Notfällen und Verdachtsfällen eingerichtet. Hierzu zählt neben einem speziellen Schockraum auch ein großer Raum am Eingang der Notaufnahme, der als Isolationsraum genutzt wurde. Über eine definierte Schleuse gelangt das Personal hier nach Anlegen der sog. persönlichen Schutzausrüstung in den Raum, während der Patient über einen getrennten Zugang eingeschleust wird. Die persönliche Schutzausrüstung besteht neben Handschuhen, Haube und einem Vollschutzanzug auch aus einem Visier oder einer Schutzbrille und FFP2-Masken. Das Personal musste im An-und Ablegen der Schutzausrüstung und der Abnahme des Rachenabstrichs geschult werden. Hierfür wurden Lehrvideos gedreht. Weitere Schulungen für das Personal für die Schockraumversorgung von schwer erkrankten COVID-19 Notfallpatient*innen waren erforderlich, um den Infektionsschutz der Beschäftigten sicherzustellen. Erfreulicherweise hat sich durch die genannten Maßnahmen bis zum aktuellen Zeitpunkt keiner der Mitarbeitenden in der Notaufnahme mit SARS-CoV-2 infiziert.

Einrichtung des Corona-Testzentrums

Für das schnellstmögliche Erkennen von Verdachtsfällen wurde in Kooperation mit der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) Anfang April ein Corona-Testzentrum vor der Notaufnahme eingerichtet. Hier wurden in der Hochphase der Epidemie bis zu 150 Abstrichuntersuchungen pro Tag durchgeführt.

Einführung der Corona-Erstsichtung im Eingangsbereich

Mit Beginn der Lockerungen und schrittweisen Rückkehr in den Regelbetrieb nahm die Zahl der Patient*innen, die täglich in die Räumlichkeiten der UMG kamen, deutlich zu. Dadurch wurde es ab Anfang Mai erforderlich, eine Corona-Erstsichtung für Patient*innen und Besucher*innen am Eingang zur Notaufnahme und auch an den übrigen Eingängen der Klinik einzurichten. Hier werden alle Patient*innen, Besucher*innen und Begleitpersonen nach möglichen Corona-Symptomen befragt und es wird einmalig die Temperatur gemessen. Auf diese Weise sollen Verdachtsfälle schnellstmöglich erkannt und zu einer Abstrichuntersuchung geleitet werden.

Außeneinsätze

Nicht zuletzt hat sich die Notaufnahme in dieser Krisensituation auch für die Belange der Stadt Göttingen eingesetzt. Über den Krisenstab der Stadt Göttingen wurden Testungen in Stadt und Landkreis, in betroffenen Hochhäusern und Pflegeeinrichtungen koordiniert und in enger Kooperation mit der Stadt Göttingen, dem Institut für Mikrobiologie sowie mit einem eigens dafür ins Leben gerufenen Team aus Studierenden umgesetzt. In der Phase der Vollquarantäne eines betroffenen Hochhauses wurde darüber hinaus in enger Kooperation mit der KVN eine mobile Arztpraxis vor dem Haus eingerichtet, um die medizinische Versorgung der Bewohner sicherzustellen.

Erfolg durch interdisziplinäre Zusammenarbeit

All diese Maßnahmen konnten nur durch eine enge Kooperation der verschiedenen Berufsgruppen erreicht werden – einerseits innerhalb der Notaufnahme zwischen Ärzt*innen, Pflegekräften, administrativen und supportiven Kräften und Studierenden; andererseits auch innerhalb des Hauses zwischen den Fachdisziplinen und den verschiedenen Fachbereichen des UMG Krisenstabes. Nicht zuletzt durch diese enge Interaktion, Kooperation und Vernetzung ist es gelungen, die erste Welle der Corona-Pandemie in der Notaufnahme erfolgreich zu bewältigen. So steht jetzt ein umfassendes personelles, strukturelles und auch organisatorisches Konzept zur Verfügung, das die UMG-Notaufnahme für die mögliche zweite Corona-Welle oder aber auch jede andere Epidemie bestens rüstet.

Kontakt

Ärztliche Leitung Zentrale Notaufnahme (ZNA)

Prof. Dr. med. Sabine Blaschke

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