„Lagerbestände mussten hochreguliert werden“

Christian Schumann, Apotheker in der UMG-Apotheke

Wer den Social Media-Aktivitäten der UMG folgt, hat den Leiter der Apotheke, Dr. Matthias Bohn, zu Beginn des Jahres bei der Impfstoff-Anlieferung entdecken können. Während die Pharmazeutisch-Technischen-Assistenten größtenteils mit den Impfstoffen betraut waren, haben andere Mitarbeiter*innen der UMG-Apotheke Ihre Arbeitsabläufe anpassen müssen. Wir haben mit Christian Schumann, Leiter Fertigarzneimittelversorgung und -information, gesprochen, der uns Einblick gewährt hat …

Stellen Sie sich doch einmal kurz vor.

Christian Schumann mitten im "Axon" (Arzneimittellager)

„Ich bin Christian Schumann, 35 Jahre und habe Pharmazie studiert. Ein Teil meines praktischen Jahres habe ich damals in der UMG-Apotheke absolviert, war dann aber erst in einer öffentlichen Apotheke mit Klinikversorgung in Göttingen angestellt.

2016 habe ich dann ein Angebot als Apotheker an der UMG bekommen und bin seitdem hauptsächlich für die Fertigarzneimittelversorgung und Arzneimittelinformation verantwortlich. In meiner Freizeit laufe und reise ich sehr gern, ich mache Musik und tobe mich auch kreativ beim Zeichnen und Malen aus.“

Können Sie Ihren Arbeitsalltag zusammenfassen?

„Direkt am Morgen findet die Arzneimittel-Kommissionierung (-Zusammenstellung) von einem 15-köpfigen Team statt, damit alle Kliniken und Stationen der UMG mit ihren Medikamenten versorgt werden. Danach bearbeite ich pharmazeutische Anfragen und informiere z.B. über Dosierung, Nebenwirkung, Interaktionschecks, Wechselwirkung oder Sondierungsmöglichkeit. Am Mittag gibt es erneut eine Kommissionierung. Dabei werden sehr dringend benötigte Medikamente kommissioniert. Im Anschluss kann ich mich um typische administrative oder projektbezogene Aufgaben kümmern. Außerdem laufen täglich bestimmte Prozesse im Hintergrund ab. Dazu gehören u.a. die Pflege des Arzneimittelportfolios und die Bearbeitung und Steuerung von Lieferengpässen. Oftmals kommt es aufgrund von Lieferengpässen zur Aufnahme von Alternativpräparaten, welche vom Apotheker auf Richtigkeit geprüft werden. Eine weitere Aufgabe ist die Pharmakovigilanz, also das Bearbeiten von Arzneimittelrückrufen sowie die Meldung sicherheitsrelevanter Arzneimittelrisiken. Auch die abteilungsbezogene Personalplanung fällt in meinen Verantwortungsbereich.“

Wie ist das Team der Apotheke aufgestellt?

„Wir sind etwa 70 Mitarbeiter*innen, aufgeteilt in die Apothekenleitung, Apotheker*innen, Pharmazeutisch-technische Assistent*innen, Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte und Lagermitarbeiter*innen. Dabei sind wir nochmal in verschiedene Abteilungen aufgeteilt, zum Beispiel in die Bereiche Zytostatikaabteilung, Herstellung total parenterale Ernährung für Kinder oder der allgemeinen Herstellung. Fertigarzneimittelversorgung und –information sowie Abteilungen zum Einkauf, der Analytik oder Warenannahme kommen noch hinzu.“

Wie kann man sich die Medikamentenversorgung an der UMG vorstellen?

„Seit fast zwei Jahren haben wir jetzt den sogenannten Axon. Das ist ein halbautomatisches System zur Kommissionierung. Wir bekommen eine Bestellung an Medikamenten, die meistens über die Versorgungskoordinator*innen auf den Stationen über SAP an uns übermittelt wird. Täglich sind das bis zu 2.000 Medikamente, die da zusammengesucht werden müssen. Jeden Morgen sind wir etwa drei Stunden damit beschäftigt.

Der Axon hat die Arbeitslast dahingehend stark reduziert. Die Bestellungen werden über einen Sammelauftrag von 20 Bestellungen an das, ich nenne es jetzt mal elektronische Regalsystem, übermittelt. Jedes Medikamentenfach hat dabei eine elektronische Anzeige, sodass unsere Mitarbeiter*innen angezeigt bekommen, welche Anzahl des Medikamentes auf das Fließbandsystem gelegt werden muss. Danach wird jede Medikamentenverpackung automatisch durch den Axon gescannt. Dieser weiß dann, wohin wie viele der Medikamente gehen. Für jeden Auftrag gibt es dann eine eigene Box, in die das Medikament quasi hineingeschuppst wird.“

Wenn es den Axon jetzt etwa seit zwei Jahren gibt – war das ein Vorteil in der Corona-Pandemie?

„Zum Teil. Bevor wir dieses halbautomatische System hatten, musste alles händisch zusammengesucht werden – ohne elektronische Anzeigen an den Regalen. Um den aktuellen gesetzlichen Vorgaben gerecht zu werden, müsste man die ca. 2000 Präparate täglich händisch scannen. Hier nimmt uns der Axon schon viel Arbeit ab. Bis dieser allerdings reibungslos funktionierte, war es eine stressige Phase, denn die Integration in unseren Arbeitsablauf war parallel zum Beginn der Pandemie. Zu der Zeit mussten wir uns neu strukturieren und es kamen unbekannte Probleme. Lagerbestände mussten zum Beispiel hochreguliert werden, denn Lieferengpässe waren abzusehen. Desinfektionsmittel wurde zum Beispiel nicht mehr als Einzelportion gekauft, sondern in 1000 Liter-Kanistern, die abgefüllt werden mussten. Im März 2020 kam alles auf einmal. Auch wenn es sehr anstrengend und herausfordernd war, haben wir es als Team doch gut gemeistert. Noch immer arbeiten wir aber an einer hohen zeitlichen Kapazitätsgrenze. Wir achten im Team sehr auf die Hygiene- und Abstandsregelungen, da die medikamentöse Versorgung der Patient*innen von uns abhängig ist. Aufgrund der aktuellen Pandemielage haben wir uns daher zum Beispiel dazu entschieden, den Mitarbeiterverkauf von Medikamenten einzustellen. So können wir den Auflauf an Kolleg*innen bei uns im Moment geringhalten.“

Welchen Unterschied macht Ihre Tätigkeit als Apotheker in der UMG zu der an einer öffentlichen Apotheke?

„Man beliefert und bedient nicht den Endkunden, also die Patient*innen, sondern eine Station, wodurch man im direkten Kontakt mit Fachpersonal ist. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist zielführend und fördert die Arzneimitteltherapiesicherheit. Wenn es für bestimmte Medikamente Lieferengpässe gibt, sind wir teilweise intensiver betroffen, da die Abnahmemenge bei uns einfach eine viel Größere ist. Wir müssen daher viel vorrauschauender Planen. Auch die Anfragen sind aufgrund des vorhandenen Fachwissens viel spezifischer. Man wird pharmazeutisch daher ganz anders gefordert.“

Gibt es spezifische Anfragen von den Stationen bei denen Ihre Expertise gefragt ist?

Qualitätskontrolle Sterilherstellung

„Ja, genau. Ich komme auch direkt mit den Ärzt*innen in Kontakt, die ganz konkrete Fragestellungen haben. Oft kann man Anfragen direkt klären und gemeinsam mit unserem Bereich der Arzneimittelherstellung umsetzen. Zum Beispiel gibt es eine durch einen Pilz verursachte Erkrankung der Augen bzw. der Hornhaut. Das Medikament gegen diesen Pilz gibt es nur in Tabletten- oder parenteraler Arzneiform. Hier ist unsere Arzneimittelherstellung gefragt, welche für den Einzelfall eine individuelle Herstellung von Augentropfen mit dem Arzneistoff gegen diesen Pilz macht. Bei anderen Anfragen muss ich auch immer wieder mal auf Recherche gehen.“

Schätzen Sie diese Arbeitsweise besonders an der UMG?

„Ja natürlich. Mein Verantwortungsbereich ist hier viel größer als in einer öffentlichen Apotheke. Und man hat oft interessante Projekte. Neben meiner Tätigkeit in der Apotheke habe ich eine dreijährige Weiterbildung zum Fachapotheker für Klinische Pharmazie gemacht.Jetzt unterrichte ich gelegentlich gemeinsam mit einer Kollegin an der Apothekerkammer Niedersachsen. Das ist ein tolle Abwechslung zur Arbeit hier. Außerdem nutze ich dies gern als fachlichen Austausch. Durch regelmäßige Weiterbildungen erweitert man das Wissen und bleibt auf dem aktuellen Stand.“

Lieber Herr Schumann, vielen Dank für die Zeit, die sich genommen haben, um den Bereich der UMG-Apotheke einmal vorzustellen.

Das könnte Sie auch interessieren

Folgen Sie uns