Neue Behandlungsmöglichkeit für Erwachsene mit angeborenem Herzfehler an der Universitätsmedizin Göttingen



Laut der European Society of Cardiology zählen Herzrhythmusstörungen zu den häufigsten Komplikationen bei Erwachsenen mit angeborenem Herzfehler (EMAH). Sie entstehen häufig durch die angeborenen Veränderungen des Herzens oder durch Narben nach herzchirurgischen Eingriffen. Da die Herzanatomie vieler Betroffener komplex ist, erfordert insbesondere die kathetergestützte Behandlung solcher Rhythmusstörungen ein hohes Maß an Erfahrung und Spezialisierung. Erwachsene mit angeborenem Herzfehler profitieren deshalb von der Versorgung in spezialisierten Zentren wie dem überregional zertifizierten EMAH-Zentrum der Universitätsmedizin Göttingen (UMG).
Zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen wird häufig eine sogenannte Katheterablation durchgeführt. Dabei schieben Ärzt*innen ein dünnes, flexibles Elektrokabel, den Katheter, über ein Blutgefäß bis zum Herzen vor. Dort werden die Gewebebereiche, von denen die Herzrhythmusstörung ausgeht, gezielt ausgeschaltet. Erstmals kam in der Abteilung für Kinderkardiologie und Intensivmedizin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der UMG hierfür ein sogenannter Farapoint-Katheter zum Einsatz. Das System nutzt die sogenannte Pulsed Field Ablation (PFA), ein Verfahren, das sich in den vergangenen Jahren als neue Behandlungsoption für bestimmte Herzrhythmusstörungen etabliert hat. Anders als herkömmliche Ablationsverfahren, die mit Hitze oder Kälte arbeiten, verwendet die PFA kurze elektrische Impulse. Diese wirken gezielt auf die Herzmuskelzellen, die die Herzrhythmusstörung verursachen, während umliegende Strukturen wie Blutgefäße, Nerven oder intaktes Herzmuskelgewebe geschont werden. Das neue Kathetersystem wurde speziell dafür entwickelt, diese Energie besonders präzise und punktgenau auch an schwer zugänglichen Stellen des Herzens einzusetzen.
„Erwachsene Patient*innen mit angeborenem Herzfehler haben häufig eine sehr individuelle Herzanatomie. Der Farapoint-Katheter erweitert unsere Möglichkeiten, Herzrhythmusstörungen auch unter diesen anspruchsvollen Bedingungen präzise und möglichst schonend zu behandeln und ergänzt das bestehende Angebot unserer interventionellen Elektrophysiologie“, sagt Prof. Dr. Ulrich Krause, Direktor der Abteilung für Kinderkardiologie und Intensivmedizin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der UMG.
Erwachsene mit angeborenem Herzfehler (EMAH)
Laut der Deutschen Herzstiftung erreichen dank der Fortschritte in der Kinderkardiologie heute rund 95 Prozent aller Menschen mit einem angeborenen Herzfehler das Erwachsenenalter. In Deutschland leben inzwischen mehr als 350.000 Erwachsene mit angeborenem Herzfehler, jährlich kommen etwa 8.700 hinzu. Viele Betroffene benötigen auch nach einer erfolgreichen Operation oder Katheterbehandlung eine lebenslange spezialisierte Betreuung, da angeborene Herzfehler auch im Erwachsenenalter zu Folgeerkrankungen wie Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche oder Klappenproblemen führen können.
Das überregional zertifizierte EMAH-Zentrum der Universitätsmedizin Göttingen begleitet Patient*innen von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter. Kinder- und Erwachsenenkardiolog*innen arbeiten dabei eng zusammen und gewährleisten einen nahtlosen Übergang der medizinischen Versorgung. Neben Diagnostik und Therapie gehören auch die Beratung zu Sport, Beruf, Familienplanung sowie psychosozialen und sozialrechtlichen Fragestellungen zum Behandlungskonzept.
Mit einem Anteil von rund 30 Prozent der stationären und 50 Prozent der ambulanten Patient*innen zählt die Versorgung von Erwachsenen mit angeborenem Herzfehler zu den besonderen Schwerpunkten der Abteilung für Kinderkardiologie und Intensivmedizin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. Als überregional zertifiziertes EMAH-Zentrum betreut die UMG Patient*innen aus ganz Deutschland.
Ansprechpartner Fachbereich:
Prof. Dr. Ulrich Krause, Abteilung für Kinderkardiologie und Intensivmedizin, Telefon 0551 / 39-62580, paed3.chefsek(at)med.uni-goettingen.de
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