Geschlechtergerechte inklusive Sprache an der UMG

Die Universitätsmedizin Göttingen setzt Impulse für positive sprachliche Veränderungen: für eine Sprache, die alle Geschlechter einschließt und Diskriminierung vermeidet. Sie ruft auf zu Offenheit, Lernbereitschaft und Empathie, damit die gesellschaftliche Vielfalt sich auch in der Sprachverwendung widerspiegelt.

NEU: Pronomen in Ihren Kontaktdaten

Für ein wertschätzendes und inklusives Miteinander

Ab sofort haben Sie die Möglichkeit, Ihre bevorzugten Pronomen (z. B. sie/ihr, er/ihn, keine Pronomen, Neopronomen) in Ihren Kontaktdaten anzugeben. Die vollständig freiwillige Angabe hilft uns allen, Missverständnissen bei der Ansprache vorzubeugen und von Anfang an eine respektvolle, inklusive Kommunikation auf Augenhöhe zu führen. Wer die eigenen Pronomen sichtbar macht, signalisiert Offenheit und unterstützt ein Umfeld, in dem sich alle Mitarbeitende richtig angesprochen fühlen können.

Diese Funktion stärkt zudem die Sichtbarkeit von TIN*-Personen (trans*, inter* und nichtbinäre Personen). Der Asterisk (*) steht dabei als Platzhalter für alle geschlechtlichen Identitäten abseits der zweigeschlechtlichen Norm.

Viele nichtbinäre Menschen verwenden sogenannte Neopronomen. Dies sind neu geschaffene oder aus anderen Sprachen angepasste geschlechtsneutrale Pronomen (wie z. B. they/them, dey/dem, xier/xies oder ey/em). Sie ermöglichen es Personen, deren Identität sich nicht im zweigeschlechtlichem Schema sie/ihr, er/ihm bewegt, im Sprachgebrauch korrekt und wertschätzend repräsentiert zu werden. 

Beispiel: They arbeitet heute in der Frühschicht. Ich habe them über das verschobene Meeting informiert.

Manche Personen nutzen weder zweigeschlechtliche Pronomen noch Neopronomen. Wenn bei den Kontaktdaten hinter dem Namen „keine Pronomen“ steht, ersetzen Sie das Pronomen im Satz durch den Namen der Person. Das klingt am Anfang vielleicht ungewohnt, fügt sich im Alltag aber schnell ganz natürlich in den Sprachfluss ein.

Beispiel:  Ich habe mit Alex gesprochen, Alex bringt die Unterlagen mit.

Manche Personen nutzen zwei oder mehr Pronomensets (z. B. er/they, sie/er). Das betrifft häufig genderfluide Personen, deren Geschlechtsidentität über die Zeit verändern kann. Auch Menschen, die sich mit mehreren Anreden gleichermaßen wohlfühlen, nutzen diese Schreibweise. Eine Angabe wie er/they signalisiert, dass Sie die Person sowohl mit er als auch mit they ansprechen können. Wenn Sie unsicher sind, wie oder wann welches Pronomen bevorzugt wird, fragen Sie die Person einfach höflich.

 

FAQ

Welche Pronomen kann ich bei Kontaktdaten angeben?

Es gibt die Auswahlmöglichkeiten sie/ihr, er/ihm, they/them, keine Pronomen sowie ein Freitextfeld, in das die bevorzugten Pronomen eingetragen werden können.

Wie hinterlege ich meine Pronomen bei meinen Kontaktdaten?

Wenden Sie sich an den*die zuständige*n TYPO3-Redakteur*in und bitten Sie um Änderung im Personendatensatz unter Angabe der bevorzugten Pronomen.

Wie kann ich in meiner E-Mail Signatur sichtbar machen, welche Ansprache ich bevorzuge?

Derzeit gibt es keine einheitlichen UMG-Vorgaben. Zwei gängiige Varianten für Sichtbarkeit:

Vorschlag 1

Toni Testperson (they/them)

Leitung Abteilung Mustermedizin

Sprecher*in Mustermedizin

 

UNIVERSITÄTSMEDIZIN GÖTTINGEN

GEORG-AUGUST-UNIVERSITÄT

Abteilung Mustermedizin

Robert-Koch-Straße 40

37075 Göttingen

Briefpost 37099 Göttingen

Telefon 0551 / 39 12345

www.umg.eu

 

Vorschlag 2

Folgender Text kann beispielweise unter dem Namen mit Funktionsbezeichnung oder unter dem Adressblock stehen.

Mein Pronomen ist ….. Wie darf ich Sie in Zukunft korrekt ansprechen?

Im ersten E-Mail Kontakt benutze ich zunächst die inklusive Anrede "Guten Tag Vor- und Nachname", da die Geschlechtsidentität von Menschen weder aus dem Aussehen noch aus dem Namen verlässlich abgeleitet werden kann. Gerne können Sie mir mitteilen, wie Sie angesprochen werden möchten.

My pronoun is …. How may I address you correctly in the future?

In the first e-mail contact, I therefore first use the inclusive title "Hello first name and last name". Gender identity cannot be reliably determined based on appearance or name. Please let me know how you'd like to be addressed.

Ich bin überfordert von dem Thema und habe Sorge, dass ich mich falsch verhalte. Was kann ich tun?

Ungewohnte Pronomen erfordern Übung. Ein respektvolles Miteinander lebt nicht von Fehlerfreiheit, sondern von der Bereitschaft, einander zuzuhören und Anpassungen offen anzunehmen. Entscheidend ist die Haltung hinter der Kommunikation. Missverständnisse lassen sich jederzeit höflich aufklären!

Ich habe Rückfragen oder Hinweise zur Verwendung von Neopronomen, an wen kann ich mich wenden?

Melden Sie sich gern bei Rückfragen und Hinweisen beim Gleichstellungsbüro: gleichstellungsbuero(at)med.uni-goettingen.de

Weitere Informationen finden Sie unter anderem hier: https://queer-lexikon.net/tag/neopronomen/

Stehen Neopronomen im Duden?

Neopronomen stehen nicht im offiziellen Duden-Wörterbuch. Der Duden beobachtet sprachliche Entwicklungen, nimmt sie aber erst auf, wenn sie über einen längeren Zeitraum hinweg in der breiten Öffentlichkeit verankert sind.

Tipps und Hinweise für geschlechtergerechtes inklusives Schreiben

Die wichtigsten Regelungen in Kürze

  • Anwendung geschlechterneutraler Bezeichnungen wo möglich, z.B. Studierende, Mitarbeitende, Leitung, Kontakt, Guten Tag Vorname Nachname
  • Verwendung des Gendersterns/des Asterisks (*)
  • Stellenausschreibungen immer mit Genderstern („Mitarbeiter*in) oder auf die Funktion bezogen („Professur“)
  • Keine Veränderung von Zitaten, von Rechtsbegriffen und von Eigennamen (z.B. „Ärztekammer“)
  • Reflektierte Verwendung von Bildmaterial mit Blick auf Diversität und Gleichstellung

FAQ

Warum ist es wichtig, mehrere Geschlechter bei geschlechtergerecht formulierten Texten einzubeziehen?

Alle Geschlechter sollen in der verwendeten Sprache angemessen repräsentiert sein. Ein Überblick über empirische Studien zur Wirkung von generischem Maskulinum (z.B. „Ärzte“) gegenüber Beidnennung („Ärztinnen und Ärzte“) findet sich z.B. in Kotthoff, Helga /Nübling, Damaris (2018): Genderlinguistik. Eine Einführung in Sprache, Gespräch und Geschlecht, Tübingen. Darüber hinaus ist mit dem Beschluss des Vorstands zur Verwendung geschlechtergerechter Sprache das Urteil des Bundesverfassungsgericht zur dritten Geschlechtsoption (10/2017) und das Gesetz zur Änderung der in das Geburtenregister einzutragender Angaben (12/2018) sprachlich verwirklicht.

Wie wird der Genderstern verwendet?

Wohin gehört der Genderstern/Asterisk im Wort?

Der Genderstern/Asterisk wird zwischen Wortstamm bzw. männlicher Endung und femininer Endung gesetzt, z.B. „Patient*innen“. Möglich – aber seltener – ist auch diese Variante: „Patientin*Patient“.


Wie kann der Genderstern ausgesprochen werden?

Der Genderstern wird mit einer minimalen Pause zwischen Wortstamm bzw. männlicher Endung und femininer Endung  gesprochen (Beispiel).


Wie barrierefrei ist der Genderstern?

Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. (DBSV) befürwortet grundsätzlich die Verwendung geschlechtergerechter Sprache, weist aber darauf hin, dass nicht alle neuen Schreibformen barrierefrei sind. Zum Genderstern gibt der DBSV folgendes Statement: „Falls jedoch mit Kurzformen gegendert werden soll, empfiehlt der DBSV, das Sternchen zu verwenden, weil es laut Veröffentlichungen des Deutschen Rechtschreibrates die am häufigsten verwendete Kurzform ist und so dem Wunsch nach einem Konsenszeichen am nächsten kommt. Zudem ist davon auszugehen, dass Doppelpunkt und Unterstrich für sehbehinderte Menschen schlechter erkennbar sind als das Sternchen.“


Wie formuliere ich geschlechtergerecht im Genitiv (2. Fall)?

Wo möglich, sollte der Genitiv im Plural verwendet werden, da es grammatisch einfacher zu lösen ist, z.B. „Der Wunsch der Patient*innen wird berücksichtigt“.

Im Singular wird nur die feminine Endung gebeugt, der Wortstamm bleibt gleich, es wird keine weitere Endung ergänzt. Es wird empfohlen, diese Variante nur sparsam zu benutzen: „Der Wunsch der*des Patient*in wird berücksichtigt.“ ODER „Der Wunsch der*des Patienten*Patientin wird berücksichtigt“.

Alternativen zum Genderstern und Lesbarkeit

Wie können geschlechtergerecht formulierte Texte gleichzeitig lesbar bleiben?

Empfohlen wird, wo möglich geschlechterneutrale Formulierungen zu verwenden. Auch sind Substantive im Plural in der Regel einfacher zu gendern als im Singular. Schnelle Formulierungshilfen finden sich auf den Seiten „geschickt gendern“ und "genderleicht".  


Reicht nicht auch eine Fußnote, dass Frauen und andere Geschlechter beim generischen Maskulinum mitgemeint sind?

Nein. Gemäß des Vorstandsbeschlusses wäre ein solches Vorgehen nicht ausreichend. Angeraten wird die Nutzung geschlechtsneutraler Formulierungen oder des Gendersterns.

Zum Effekt des generischen Maskulinums siehe auch folgendes Beispiel aus dem medizinischen Bereich (S. 5 der Broschüre):

Zum Nachdenken_Generisches Maskulinum (S. 5) 


Wie formuliere ich geschlechtsneutral?

Viele aus Partizipien gebildete Begriffe werden bereits selbstverständlich im Hochschul- und Klinikalltag verwendet, z.B. Studierende, Mitarbeitende, Beschäftigte. Bei Anreden und in Stellenausschreibungen kann der Fokus auf die Funktion gelegt werden: Leitung, Kontakt, Professur, Kommissionsmitglied. Ein von Verben geprägter Stil befördert es ebenfalls, geschlechtsneutral zu formulieren, z.B. „herausgegeben von“ statt „Herausgeber*innen“.


Kann die Beidnennung (z.B. „Ärztinnen und Ärzte“, „Ärztin/Arzt“) weiterhin verwendet werden?

Der Vorstandsbeschluss sieht eine einheitliche Regelung für die UMG vor. Empfohlen wird der Genderstern/Asterisk. Dieser wird zwischen Wortstamm bzw. männlicher Endung und weiblicher Endung gesetzt. Möglich ist auch diese Variante: „Ärztin*Arzt“. Bei Stellenausschreibungen, die den Zusatz „weiblich/männlich/divers“ enthalten, kann bei der Ausschreibung von Stellen im ärztlichen Dienst als Ausnahme auch ein Schrägstrich gesetzt werden, z.B. „Ärztin/Arzt (w/m/d)“.

Juristische Formulierungen, medizinische Begriffe und Anreden

Was ist die Alternative zur Formulierung „Sehr geehrte Damen und Herren“?

Empfohlen wird, die angeschriebenen Personen in ihrer Funktion anzusprechen, z.B. „Sehr geehrte Kommissionsmitglieder, Lehrende, Führungskräfte, Studierende, Kolleg*innen“.
 

Passe ich juristische Formulierungen (z.B. „pharmazeutischer Unternehmer“) oder Zitate aus Rechtstexten gendergerecht an?

Feststehende juristische Begriffe und Zitate aus Rechtstexten werden nicht geändert.


Gibt es Formulierungsvorschläge für Begriffe aus dem medizinischen Bereich, die noch nicht geschlechtergerecht formuliert sind (z.B. „Patientenakte“)?

Im Austausch mit anderen medizinischen Hochschulen erarbeitet das Gleichstellungsbüro derzeit eine Liste häufig gebrauchter medizinischer Begriffe und Alternativen in geschlechtergerechter Sprache.

Ausgewogene Bildsprache

Warum ist eine ausgewogene Bildsprache wichtig?

Möglichst viele Menschen sollen sich angesprochen fühlen können (Aspekt der Repräsentation). Möglichst niemand soll diskriminiert werden (Aspekt der Antidiskriminierung).


Worauf sollte ich bei der Verwendung von Bildern achten?

Angeraten wird ein sensibler Umgang mit Darstellungen aus Bilddatenbanken, da Stereotypen und Klischees in der Regel überrepräsentiert werden. Berücksichtigen Sie Anzahl, Perspektive, Größe, Position und Körperhaltung von abgebildeten Personen. Achten Sie auch auf die Darstellung von Hierarchien z.B. durch Kleidung, räumliche Anordnung oder ausgeführte Tätigkeiten.

Ansprechperson

Referentin für Karriereförderung

Laura Kajetzke (sie/ihr)

 Laura Kajetzke

Kontaktinformationen

  • Adresse

    Gleichstellungsbüro
    Robert-Koch-Straße 40 
    37075 Göttingen 
    Briefpostadresse: 
    37099 Göttingen
     

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