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ERC Starting Grants im Doppelpack: 3,2 Millionen Euro Förderung für zwei Göttinger Nachwuchsforscher am ENI-Göttingen

Dr. Caspar Schwiedrzik und Dr. Brett Carter vom European Neuroscience Institute Göttingen (ENI-G) erhalten Förderung durch den Europäischen Forschungsrat (ERC) in Höhe von rund 1,9 und 1,3 Millionen Euro.

(umg) Zwei junge Forscher am European Neuroscience Institute Göttingen (ENI-G) haben mit ihren Projektanträgen im Auswahlverfahren um eine Förderung durch den Europäischen Forschungsrat (ERC) überzeugt. Dr. Caspar Schwiedrzik und Dr. Brett Carter erhalten jeweils einen Starting Grant des ERC. Beide sind Nachwuchsgruppenleiter am ENI Göttingen. Ihre als exzellent bewerteten Forschungsvorhaben zu neurowissenschaftlichen Fragen werden mit jeweils rund 1,9 und 1,3 Millionen Euro über einen Zeitraum von fünf Jahren gefördert.

Beide Göttinger Nachwuchswissenschaftler haben sich mit ihren Forschungs­vorhaben einem zweistufigen Evaluierungsprozess gestellt und dabei schriftlich wie in einem persönlichen Interview in Brüssel überzeugt. Von europaweit insgesamt 3.170 eingereichten Projektanträgen in allen Disziplinen wurden 403 Anträge zur Förderung ausgewählt, das entspricht einer Förderquote von 13 Prozent.

Dr. Caspar Schwiedrzik, Gruppenleiter am European Neuroscience Institute Göttingen (ENI-G) und am Deutschen Primatenzentrum (DPZ), erhält den Starting Grant des Europäischen Forschungsrats für seinen Projektantrag „Specificity or generalization? Neural mechanisms for perceptual learning with variability (VarPL)“. Das Projekt untersucht, wie das Sehen durch variable Signale aus der Umwelt beeinflusst wird und wie darüber die Wahrnehmung verbessert werden kann. Für seine Forschung vergleicht Dr. Schwiedrzik die neuronalen Grundlagen des Lernens bei Menschen und Rhesusaffen. Dabei kombiniert er Verhaltensversuche mit Magnetresonanztomographie und extrazellulären elektrophysiologischen Untersuchungen, die die Aktivität einzelner Nervenzellen messen.

„Wir möchten herausfinden, ob wir die Wahrnehmung durch neue Trainingsmethoden verbessern und die Variabilität gezielt einsetzen können, um robuste Lerneffekte zu erzielen. Besonders interessiert uns, auf welche Veränderungen im Gehirn solche Lerneffekte zurückgehen“, sagt Dr. Caspar Schwiedrzik. „Dies würde unser Verständnis von Lernprozessen im Gehirn vertiefen und könnte im besten Fall die Effizienz von Trainings zur Verbesserung der Wahrnehmung, zum Beispiel bei Patienten mit Wahrnehmungsdefiziten, erhöhen.“ Die Forschung der von Dr. Caspar Schwiedrzik geleiteten Arbeitsgruppe wird durch den Europäischen Forschungsrat (ERC) mit rund 1,9 Millionen Euro über einen Zeitraum von fünf Jahren gefördert.

Dr. Brett Carter, Gruppenleiter am European Neuroscience Institute Göttingen (ENI-G), erhält den Starting Grant des Europäischen Forschungsrats für seinen Projektantrag „Novel NMDA receptor signaling in cortical synaptic depression (NovelNMDA)“. In der Hirnrinde von Säugern wird bei Aktivierung von Nervenzellen bevorzugt Glutamat als Neurotransmitter an den Synapsen freigesetzt. Diese Moleküle werden von Rezeptoren, unter anderem von dem so genannten NMDA-Rezeptor, als Signale weitergeleitet. Die Signalgebung durch diesen Rezeptor ist wichtig für die synaptische Plastizität, den zellulären Prozess, der Lernvorgängen und Gedächtnis zugrunde liegt. Dr. Carter hat eine neue Art der Signalgebung dieser NMDA-Rezeptoren entdeckt. Ziel dieses Projektes ist es, die zellulären Prozesse der Signalgebung zu verstehen, die synaptischen Veränderungen als Reaktion auf Erfahrungen zugrunde liegen. Dabei kombiniert Dr. Carter elektrophysiologische Aufzeichnungen mit modernsten bildgebenden Verfahren, um Veränderungen der synaptischen Funktion auf der Ebene einzelner Synapsen zu messen. Die Funktion dieser Prozesse zu verstehen, kann dazu beitragen, das Gehirn noch besser zu verstehen und Einblick in seine Dysfunktion zu bekommen. Die Forschung von Dr. Brett Carter wird durch den Europäischen Forschungsrat (ERC) mit rund 1,3 Millionen Euro über einen Zeitraum von fünf Jahren gefördert.

DIE WISSENSCHAFTLER

Dr. Caspar Schwiedrzik (Jahrgang 1983) studierte von 2003 bis 2008 Psychologie mit den Schwerpunkten kognitive Neurowissenschaften und klinische Neuropsychologie an der Universität Konstanz. Im Jahr 2011 wurde er promoviert mit einer Arbeit über den Einfluss des Lernens auf die bewusste Wahrnehmung am Max-Planck-Institut für Hirnforschung und der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Von 2012 bis 2016 forschte er an der New Yorker Rockefeller University. Seit Januar 2017 leitet er die Arbeitsgruppe „Neural Circuits and Cognition" am ENI Göttingen. Seit Februar 2019 ist Dr. Schwiedrzik auch Leiter der Nachwuchsgruppe „Perception and Plasticity“ am DPZ in Göttingen.

Dr. Brett Carter, geboren 1979, studierte von 1999 bis 2002 Chemieingenieurwesen am Georgia Institute of Technology in Atlanta, Georgia. Nach mehrjähriger Lehr- und Forschungstätigkeit wurde er 2011 an der Harvard Medical School in Boston, Massachusettes mit einer Arbeit über die Funktion von Ionenkanälen während neuronaler Aktivität promoviert. Anschließend wechselte er bis 2017 an das Vollum Institute in Portland, Oregon, wo er die Physiologie von glutamatergen Synapsen in der Hirnrinde von Säugern untersuchte. Seit 2017 leitet er die Arbeitsgruppe „Synaptische Physiologie und Plastizität“ am ENI Göttingen.

Die „ERC Starting Grants“ dienen der Förderung von jungen Forscherinnen und Forschern aller Nationalitäten mit abgeschlossener Promotion und einer vielversprechenden wissenschaftlichen Erfolgsbilanz. Ziel der Förderung ist es, Forschungstalenten in Europa frühzeitig eine Perspektive zu bieten und sie zu halten. ERC Starting Grants bieten hoch talentierten Forscherinnen und Forschern die Möglichkeit, ihre Laufbahn unabhängig zu entwickeln und den Übergang von der angeleiteten Forschung zum unabhängigen und selbständigen Forscher zu schaffen. Alleiniges Auswahlkriterium ist die wissenschaftliche Exzellenz.

Das European Neuroscience Institute Göttingen (ENI-G) besteht seit Juni 2001 und umfasst derzeit sechs Forschungsgruppen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des ENI-G widmen sich der Erforschung der Grundlagen von Hirnfunktionen auf molekularer, zellulärer und systemischer Ebene sowie der Ursachenanalyse von Störungen. Das Spektrum reicht von der Analyse der Signalübertragung an den Synapsen der Nervenzellen über die computergestützte Modellierung neuronaler Aktivität bis zur Untersuchung von Netzwerken, welche einfaches Verhalten bis hin zu Bewusstsein steuern können. Ziel ist es, Grundlagen zu erforschen, die zur gezielten Behandlung neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen des Gehirns führen können. Es gehört zum Konzept von ENI-G, dass die Forschung interdisziplinär organisiert ist. Das ENI-G ist ein Kooperationsprojekt zwischen der Universitätsmedizin Göttingen und der Max-Planck-Gesellschaft München, in enger Verbindung mit den Göttinger Instituten für biophysikalische Chemie und experimentelle Medizin. Ziel des ENI-G ist die Förderung exzellenter junger Wissenschaftler auf ihrem Weg zu eigenständiger Forschung.

Weitere Informationen zum ENI-G: www.eni.gwdg.de

WEITERE INFORMATIONEN
European Neuroscience Institute Göttingen (ENI-G)
Grisebachstraße 5, 37077 Göttingen

Dr. Caspar Schwiedrzik, Telefon 0551 / 39-61371 oder 39-61339, c.schwiedrzik@eni-g.de
Brett Carter Ph.D., Telefon 0551 / 39-61391, b.carter@eni-g.de

Sprecher des ENI-G
Prof. Dr. Mathias Bähr, Telefon 0551 / 39-61300, eni@gwdg.de

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