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Aktuelles aus der UMG

| Presseinformation Nr. 022 / 2020

„Kleine Rücken brauchen Hilfe“: Neues 3D-Röntgengerät für Kinder mithilfe von Spenden im Einsatz

Spendenaktion für ein strahlungsarmes, schnelles und patientenfreundliches 3D-Röntgengerät erfolgreich abgeschlossen. Niedersachsenweit einmaliges Röntgengerät durch Spenden und UMG-Zuschuss angeschafft.

Junge Patientin im neuen strahlungsarmen 3D-Röntgengerät mit den Röntgenbildern.
Pauline Fuhrmann im neuen strahlungsarmen 3D-Röntgengerät mit den Röntgenbildern. Foto: umg/spförtner

(umg) Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) hat seit Ende 2019 ein neues, niedersachsenweit einmaliges 3D-Röntgengerät im Einsatz. Das Gerät ist besonders gut für die Untersuchung von Kindern und Jugendlichen geeignet. Nicht nur das Gerät ist ein besonderes, auch die Anschaffung. Das hochmoderne, strahlungsarme Röntgengerät wurde zu zwei Dritteln aus Mitteln der großen Spendenaktion „Kleine Rücken brauchen Hilfe“ finanziert. Viele kleine und große Spenden aus der Bevölkerung haben die Anschaffung des Gerätes möglich gemacht. Der Anschaffungspreis liegt bei rund 512.000 Euro.

SPENDENAKTION BEENDET. UMG-VORSTAND SAGT „DANKE!“

Prof. Dr. Michael Quintel, stellvertrender Vorstand Krankenversorgung, erklärt, weshalb die Spendenaktion so wichtig und hilfreich war: „Die Regelversorgung der UMG ist durch die Krankenkassen und das Land sichergestellt. Für innovative Medizingeräte, wie dieses 3D-Röntgengerät mit Niedrig-Strahlendosis, die nicht dem unmittelbaren Erhalt von Leistungen der Krankenversorgung, wohl aber einer unstrittigen und sinnvollen Verbesserung dienen, stehen derzeit nicht in ausreichendem Umfang Mittel zur Verfügung, um sie zeitnah realisieren zu können. Diese Spendenaktion hat uns ermöglicht, für die kleinen Patientinnen und Patienten diese deutliche Verbesserung zügig erreichen und ermöglichen zu können.“ Zwei Drittel der Anschaffungskosten sind allein über Spenden zusammengekommen. Die UMG trägt den Restbetrag, die Kosten für die Installation des Gerätes, den Umbau des Raumes, das Personal und die Betriebskosten.

Für den Vorstand der UMG bedankt sich Prof. Quintel, bei den Spenderinnen und Spendern: „Es gibt den schönen Begriff ‚Bürgersinn‘. Wir als UMG danken ausdrücklich allen Spenderinnen und Spendern, die die Anschaffung dieses Gerätes möglich gemacht haben! Es ist ein Beleg für dieses bürgerliche Engagement in Göttingen und der Region. Innerhalb von zwei Jahren konnte diese Summe, vor allem über so genannte Kleinspenden zusammengetragen werden, das war und ist für uns ebenso erfreulich wie erstaunlich. Es zeigt, dass den Menschen der Region die Arbeit der UMG am Herzen liegt, dass sie die UMG unterstützen, wo die formalen Wege oft zeitnahe Lösungen erschweren oder verhindern. Dafür danken wir sehr herzlich. Das gilt auch für die anonyme Großspende. Sie belegt die Verbundenheit mit unserer Einrichtung und der Region. Dafür empfinden wir höchsten Respekt und außerordentliche Dankbarkeit. Nicht zuletzt: Dank auch den Medien, die uns bei diesem Vorhaben in den letzten zwei Jahren mit ihrer Berichterstattung so nachhaltig unterstützt haben. Ohne Öffentlichkeit funktioniert eine solche Spendenaktion nicht. Sie haben für das öffentliche Interesse gesorgt, das Thema ins Bewusstsein gesetzt und damit die Voraussetzungen für den Erfolg dieser Spendenaktion, die die Anschaffung des Gerätes hat Wirklichkeit werden lassen, geschaffen. Dafür sind wir auch Ihnen sehr dankbar!“

BILANZ

Gabriele Schreiber, Bereichsleiterin Fundraising an der UMG, stellte die Bilanz der zweijährigen Spendenaktion vor. Das neue 3D-Röntgengerät hat einen Anschaffungspreis von rund 512.000 Euro. Über die Spendenaktion sind insgesamt etwa 340.000 Euro zusammengekommen, darunter eine anonyme Großspende von 50.000 Euro. Etwa 2.400 Menschen vor allem aus Niedersachsen, aber auch den umliegenden Bundesländern Hessen, Thüringen und NRW haben mit ihren Spenden dafür gesorgt, dass das innovative Gerät angeschafft werden konnte. 91 Prozent der Spenden lagen im Kleinspendensegment bis 100 Euro. Die restliche Summe von etwa 266.000 Euro, einschließlich der Umbaukosten für den Raum und die Installation des Gerätes, hat die UMG übernommen.

DIE VORTEILE DES NEUEN STRAHLUNGSARMEN 3D-RÖNTGENGERÄTES
  • Ganzkörper-Scan in nur 10 bis 20 Sekunden, dadurch deutlich weniger Stress für die Kinder
  • Aufnahmen im Stehen unter natürlicher Belastung, dadurch genauere Bilder für Diagnose
  • Genaueste 3D-Darstellung verbessert die Planung der Behandlung
  • Bis zu 90 Prozent weniger Strahlung pro Aufnahme
HINTERGRUND UND NOTWENDIGKEIT DES NEUEN 3D-RÖNTGENGERÄTES

Die UMG zählt zu den führenden Kliniken für komplexe Wirbelsäulenoperationen bei Kindern mit schweren Fehlbildungen. Viele von ihnen müssen ab ihrer Geburt öfter operiert und dafür jedes Mal mehrfach geröntgt werden. Kinder haben jedoch einen besonders empfindlichen Organismus: Sie sind zehnmal strahlungsempfindlicher als Erwachsene. Zumeist stehen für Kinder nur Röntgengeräte bereit, die für Erwachsene gedacht und angelegt sind. Kinder bringen aber andere Voraussetzungen mit.

Über 1.000 Kinder mit schweren Fehlbildungen der Wirbelsäule werden jährlich in der UMG behandelt. Mit ihrem Operativen Kinderzentrum (OPKIZ) zählt die UMG bundesweit zu den führenden Kliniken für komplexe Wirbelsäulenoperationen bei Kindern mit schweren Fehlbildungen: Das OPKIZ besitzt die Expertise für solch aufwendige Behandlungen, die den betroffenen Kindern oft sogar das Leben retten. Der Grund: Schwere Wirbelsäulenverkrümmungen sind mehr als ein „schiefer Rücken“. Manche der betroffenen Kinder können sich kaum ohne fremde Hilfe und nur unter Schmerzen aufrecht halten. „Eine schwere Verkrümmung der Wirbelsäule behindert die Organe, wenn sie wachsen. Es kann dabei zu schweren Atemproblemen kommen, Lunge und Herz können sich nicht richtig entfalten. Operationen und die dazu gehörigen Röntgenuntersuchungen sind wichtig, um die Lebensqualität und Lebensdauer der Kinder zu verbessern“, sagt Prof. Dr. Anna Hell, Leiterin des Schwerpunktbereichs Kinderorthopädie im OPKIZ.

Viele dieser Kinder und Jugendliche müssen ab Geburt oft zweimal pro Jahr operiert und dafür auch jedes Mal vor und nach dem Eingriff geröntgt werden. Das hat Folgen für die betroffenen Kinder. Prof. Anna Hell: „Dass dieses neue Röntgengerät jetzt für uns nutzbar ist, ist ein großes Geschenk der Menschen aus der Region für die Region. Und es ist ein Quantensprung für unsere klinische Arbeit. Vor allem für unser Patientinnen und Patienten.“

„Kinder sind keine Erwachsene. Sie befinden sich im Wachstum und haben einen empfindlichen Organismus. Kindliche Körperzellen reagieren besonders sensibel auf Strahlung. Deshalb achten wir sehr darauf, dass Wiederholungsuntersuchungen vermieden werden“, sagt Katrin Gebel, Leitende MTRA des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der UMG. Kinder sind zehnmal strahlungsempfindlicher als Erwachsene. Zudem werden Kinder in der Regel mit Röntgengeräten untersucht, die eigentlich für Erwachsene gedacht und angelegt sind. „Wir brauchen bei diesen Untersuchungen eine besondere Empathie für die Kinder und müssen uns auf die Qualität der Technik verlassen können“, so Gebel.

DAS NEUE STRAHLUNGSARME 3D-RÖNTGENGERÄT: VORTEILE FÜR KINDER

Das innovative und niedersachsenweit erstmalig eingesetzte 3D-Röntgensystem mit Niedrig-Strahlendosis kann die Strahlenbelastung um bis zu 90 Prozent verringern. Es ist nur eine Aufnahme notwendig, um ein lebensgroßes Ganzkörperbild des Skeletts zu erhalten, und es liefert eine hochwertigere und detailreichere Aussagekraft bei der Bildqualität. Ein weiteres, innovatives Merkmal des Gerätes: Das 3D-Röntgengerät ist wie eine Art „Duschkabine“ konstruiert, in die ein Kind, das nicht selbstständig stehen kann, mit einer Art Fallschirmkorsett „eingehängt“ wird. So kann das Kind in einer sehr kurzen Aufnahmezeit gleichzeitig von vorne und von der Seite aufgenommen und die Wirbelsäule in natürlicher Position geröngt werden. „Hier hilft modernste Technologie dem Patienten. Denn hinter einem solchen Gerät stehen große Datenbanken, die die Bilder generieren“, sagt Prof. Dr. Joachim Lotz, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der UMG. Aus den Daten, die aus diesen beiden Perspektiven gewonnen werden, errechnet die Software automatisch ein 3D-Bild des Skelettes. Beckenschiefstände und Beinlängenunterschiede sind dadurch klarer zu erkennen. Operationen können so zukünftig noch besser geplant und die kleinen Patienten insgesamt schonender untersucht werden.

WEITERE INFORMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Unternehmenskommunikation, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Stefan Weller, Telefon 0551 / 39-61020
presse.medizin@med.uni-goettingen.de
www.umg.eu

Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität Göttingen
Bereichsleitung Fundraising, Von-Bar-Str. 2/4, 37075 Göttingen
Gabriele Schreiber, Telefon 0551 / 39-61005
gabriele.schreiber@med.uni-goettingen.de
www.spenden.med.uni-goettingen.de

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