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Aktuelles aus der UMG

| Presseinformation Nr. 028 / 2020

Bestmögliche Betreuung für Kinder und Jugendliche

Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) von Deutscher Diabetes Gesellschaft (DGG) als „Diabeteszentrum DGG“ zertifiziert.

Diabetes-Team der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der UMG mit Zertifikat der DGG zum „Diabeteszentrum DGG“.
Diabetes-Team der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der UMG mit Zertifikat der DGG zum „Diabeteszentrum DGG“: (v.r) Simon Badura (Arzt in Weiterbildung), Dr. Markus Röbl (Oberarzt und Kinderdiabetologe), Clemens Freiberg (Oberarzt und Kinderdiabetologe), Dr. Ann-Kathrin Borrmann (Kinderärztin), Sandy Weidner (Ökotrophologin), Tanja Ertl (Kinderkrankenschwester), Franziska Mey (Diabetesberaterin DDG), Bianca Henneke (Kinderkrankenschwester), Michaela Kuske (Dipl.-Sozialpädagogin), Theresa Valentin (Psychologin), Sabine Friedrich (Diabetesberaterin DDG). Foto: umg/Jelinek

(umg) Das Leben mit Diabetes ist besonders für Kinder und Jugendliche mit ihren Familien eine Herausforderung. Insgesamt leben in Deutschland z. Zt. etwa 32.500 Kinder und Jugendliche zwischen 0 und 19 Jahren in Deutschland mit Diabetes. Über 200 Kinder und Jugendliche mit Diabetes und ihre Familien werden jedes Jahr in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin (Direktorin: Prof. Dr. Jutta Gärtner) der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) regelmäßig betreut. Jetzt ist das Diabetes-Team der Klinik für sein Behandlungs- und Betreuungskonzept ausgezeichnet worden. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DGG) hat der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der UMG das Zertifikat „Zertifiziertes Diabeteszentrum DDG“ verliehen. Mit dem Zertifikat zeichnet die DGG Einrichtungen aus, die hohe definierte Anforderungen erfüllen und damit eine qualitativ hochwertige Versorgung sicherstellen.

In den Leitlinien von Fachgesellschaften wie der DDG sind wissenschaftlich fundiert die aktuellen Empfehlungen für die Behandlung von Diabetes in Klinik und Praxis festgehalten. Aus diesen Leitlinien hat die DDG auch die Richtlinien für die Zertifizierung der spezialisierten Behandlungseinrichtungen für Menschen mit Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2 abgeleitet. Erhält eine Einrichtung eines der Zertifikate der DDG, können Patient*innen sicher sein, dass sie in dieser Klinik oder Praxis leitliniengerecht behandelt werden. Die Zertifizierung ist damit ein „Qualitätssiegel“ und dient der Orientierung auf der Suche nach geeigneten Behandlern.

„Die Zertifizierung der DDG zeigt uns und unseren Patienten, dass die Behandlung in unserer Klinik in allen Bereichen – Therapie, Beratung und Schulung – den heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechen. Das bringt unseren Patienten Sicherheit und ist für uns und unser Team zugleich eine Anerkennung für die täglich zu leistende Arbeit“, sagt Clemens Freiberg, Oberarzt und Kinderdiabetologe in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der UMG.

„Diabetes im Kindes- und Jugendalter kann man zwar auch heute nicht heilen, aber gut behandeln. Richtig eingestellt und mit entsprechender Schulung kann jedes Kind und jeder Jugendliche mit Diabetes gut und ohne große Einschränkungen leben. Dabei helfen wir“, sagt Clemens Freiberg. Im zertifizierten Diabeteszentrum der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der UMG arbeitet ein interdisziplinäres Team aus erfahrenen Ärzt*innen, Kinderdiabetolog*innen, Diabetesberaterinnen, Kinderkrankenschwestern und -pflegern, eine Psychologin und eine Sozialarbeiterin zusammen.

Ursache des Diabetes im Kindes- und Jugendalter ist fast ausschließlich ein Insulinmangel aufgrund des sog. Typ-1-Diabetes, einer Autoimmunerkrankung. Typische Anzeichen sind großer Durst, häufiges Wasserlassen und Gewichtsabnahme. Wird die Diagnose nicht rechtzeitig gestellt, trocknet der Körper aus und übersäuert. Das Diabetes-Team in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der UMG unterstützt Kinder, Jugendliche und ihre Familien darin, zu begreifen und damit umzugehen, dass der Typ-1-Diabetes ein Leben lang bleibt. Das fehlende Insulin muss ersetzt werden.

Fortschritte in der Diabetes-Technologie, wie die Entwicklung neuer Insulinpumpen und Glucosesensoren, die den Gewebezucker unter der Haut kontinuierlich messen, bieten Vorteile bei der Behandlung von Kindern. Mit Hilfe dieser neuen technischen Geräte können auch Kleinkinder, Vorschulkinder oder junge Schulkindern eine Hypoglykämie (Unterzuckerung) erkennen.

Für den Umgang mit dem Diabetes und mit der hilfreichen Technik bietet das Diabetes-Team eine strukturierte Schulung an: Die Familien lernen, dass der Körper immer Insulin braucht und dass eine passende Portion Insulin zu den Mahlzeiten gegeben werden muss. Dazu werden die Kinder und ihre Familien etwas zwei Wochen in der Klinik geschult.

„Unser vorrangiges Ziel in der Behandlung von Diabetes von Kindern und Jugendlichen ist es, akute Komplikationen zu vermeiden. Langfristig wollen wir Folgeerkrankungen vermeiden helfen oder zumindest zeitlich weiter hinausschieben. Dazu gehört auch, die Kinder vor psychosozialen Folgen der chronischen Erkrankung möglichst zu bewahren“, sagt Clemens Freiberg, Leiter des Diabetes-Teams in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin.

Trotz der verbesserten Behandlungsmöglichkeiten tragen gerade die Mütter von jungen Kindern mit Diabetes eine besondere Belastung. 2019 zeigte die sog. AMBA-Studie zu Alltagsbelastungen der Mütter von Kindern mit Typ-1-Diabetes, dass in Deutschland infolge der Diabetesdiagnose 39 Prozent der Mütter ihre Berufstätigkeit reduzieren und 10 Prozent sie aufgeben. Bei Vätern ergeben sich kaum Veränderungen. In Kindergarten und Schule werden Kinder mit Diabetes immer noch unzureichend betreut.

Diabetes bei Kindern und Jugendlichen – Ursachen

Ursache des Diabetes ist im Kindes-und Jugendalter fast ausschließlich ein Insulinmangel. Insulin wird in den sog. B-Zellen der Langerhans-Inseln in der Bauchspeicheldrüse gebildet. Der Verlust der B-Zellen führt zu dem sog. Typ-1-Diabetes, einer Autoimmunerkrankung. Die Zerstörung der B-Zellen ist die Folge einer fehlgesteuerten Abwehrreaktion des Körpers. Wechselwirkungen zwischen Umweltfaktoren, z.B. Virusinfektionen, und Abwehrzellen lösen einen Entzündungsvorgang aus, der stufenweise zur vollständigen Zerstörung der B-Zellen führt. Dieser Prozess kann über Monate oder Jahre unbemerkt bleiben.

Diabetes bei Kindern und Jugendlichen – Zahlen

In Deutschland erkranken jedes Jahr über 3.000 Kindern und Jugendlichen neu an Diabetes. Die Neuerkrankungsrate steigt nach Schätzungen von Jahr zu Jahr um 3,4 Prozent. Insgesamt leben z. Zt. etwa 32.500 Kinder und Jugendliche zwischen 0 und 19 Jahren in Deutschland mit Diabetes. Das entspricht 1 von 500 Kindern und Jugendlichen.

DGG und Zertifikate

Seit 2005 vergibt die DDG diese Zertifizierung für Diabetesbehandlungs-Einrichtungen in Klinik und Praxis. Aktuell sind durch den Ausschuss Qualitätssicherung, Schulung und Weiterbildung (QSW) der DDG rund 400 Einrichtungen als „Zertifiziertes Diabeteszentrum DDG“ und etwa 100 als „Zertifiziertes Diabeteszentrum Diabetologikum DDG mit diabetesspezifischem Qualitätsmanagement“ zertifiziert.

 

WEITERE INFORMATIONEN
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Klinik für Kinder – und Jugendmedizin
Clemens Freiberg
Telefon 0551 / 39-66210
cfreib@med.uni-goettingen.de

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