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Nachruf für Professor Dr. Christine Neumann

Ehemalige Direktorin der Abteilung Dermatologie und Venerologie sowie Leiterin der Hautklinik (heute: Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie) der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) im Alter von 82 Jahren verstorben.

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Prof. Dr. Christine Neumann. Foto: privat

Prof. Dr. Christine Neumann, langjährige Inhaberin des Lehrstuhls für Dermatologie und Venerologie und Direktorin der Abteilung Dermatologie und Venerologie sowie Leiterin der Hautklinik (heute: Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie) der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), ist am 30. April 2026 im Alter von 82 Jahren verstorben.  

Die UMG trauert um eine leidenschaftliche Dermatologin, die sich insbesondere in der Krankenversorgung und Forschung sehr engagierte, Studierende in ihren Vorlesungen begeisterte und national sowie international wissenschaftliche Anerkennung fand. Unter der Leitung von Prof. Neumann wurde die grundlagenorientierte dermatologische Forschung maßgeblich weiterentwickelt. Sie hat damit zum Wandel des Faches beigetragen, hin zu einer Disziplin, die sich auf die Ursachen von Hautkrankheiten konzentriert und gezielte Therapien ermöglicht.

Prof. Dr. Christine Neumann wurde am 7. Oktober 1943 in Lindau/Eichsfeld geboren. Von 1963 bis 1964 studierte sie Chemie an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen und begann 1964 mit dem Studium der Humanmedizin. Sie studierte in Köln, Düsseldorf und München. Nach ihrem Staatsexamen im Jahr 1969 promovierte sie 1970 zum Thema „Autoradiographisch-zytokinetische Untersuchung der Epidermishyperplasie nach lokaler Anwendung des aliphatischen Kohlenwasserstoffes Hexadecan“ bei Prof. Dr. Enno Christophers an der Dermatologischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Von 1970 bis 1971 war sie als Medizinalassistentin in Düsseldorf, Berlin sowie in Immenstadt im Allgäu tätig. Die Approbation als Ärztin erlangte sie 1971 und arbeitete anschließend als wissenschaftliche Assistentin in der Abteilung Transplantations- und Abdominalchirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) auf dem Gebiet der Transplantationsimmunologie sowie an der Universitäts-Hautklinik Münster auf dem Gebiet der Immunologie des schwarzen Hautkrebses. Im Jahr 1975 forschte sie elf Monate als Stipendiatin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) am Cancer Research Institute der University of California in San Francisco, USA, bei Prof. Dr. Lois B. Epstein. Im Fokus ihrer Arbeit standen die Produktionsbedingungen und der Nachweis menschlichen Interferons, einem körpereigenen Botenstoff zur Immunabwehr. Nach ihrer Rückkehr übernahm sie von 1975 bis 1981 erneut eine Stelle als wissenschaftliche Assistentin am Institut für Experimentelle Dermatologie der Universitäts-Hautklinik Münster bei Prof. Dr. Egon Macher und Prof. Dr. Clemens Sorg. Ihr Forschungsschwerpunkt lag auf der Produktion und Regulation von Lymphokinen, insbesondere auf dem Botenstoff Interferon. Sie habilitierte sich 1981 zum Thema „Mononukleäre Phagozyten – ihre Effektorfunktionen in Beziehung zu ihrer funktionellen Heterogenität“ und erhielt die Lehrbefugnis (Venia Legendi) für „Experimentelle Dermatologie“. 1983 folgte die Anerkennung als Ärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten. Von 1984 bis 1985 arbeitete sie in verschiedenen Spezialambulanzen sowie von 1985 bis 1986 als Oberärztin an der Universitäts-Hautklinik Münster und erhielt in dieser Zeit die Teilgebietsanerkennung „Allergologie“. Im Oktober 1986 wechselte sie als Oberärztin an die Hautklinik Linden der MHH. Dort baute sie ein Labor für experimentelle dermatologische Forschung auf. Ihre Arbeitsgebiete umfassten die zelluläre Immunität bei atopischen Ekzemen, eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, sowie unspezifische Entzündungsmechanismen der Haut. Nach einer Umhabilitation im Jahr 1987 für das Fachgebiet „Dermatologie“ nahm sie 1988 den Ruf auf eine C2-Professur auf Lebenszeit an der MHH an. Im Jahr 1993 wurde Prof. Christine Neumann auf den Lehrstuhl für Dermatologie und Venerologie der Universität Göttingen berufen und übernahm die Leitung der Hautklinik Göttingen bis zu ihrem Ruhestand im Jahr 2007.

Wissenschaftliche und klinische Arbeitsschwerpunkte 
Prof. Neumanns wissenschaftlicher Schwerpunkt lag insbesondere auf den atopischen Erkrankungen. Dies sind Erkrankungen, die durch Überempfindlichkeit des Immunsystems hervorgerufen werden und erblich-bedingt sein können. Hierbei konzentrierte sie sich vor allem auf die molekularen und immunologischen Grundlagen der Neurodermitis. Eine chronische, nicht ansteckende Hautkrankheit, die durch starken Juckreiz, gerötete und schuppige Haut sowie teils nässende Ekzeme gekennzeichnet ist. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt lag auf dem Gebiet der molekular-genetischen Charakterisierung von primär kutanen Lymphomen. Eine seltene Form von Blutkrebs, die durch weiße Blutkörperchen in der Haut verursacht wird, die sich unkontrolliert vermehren. 

In der klinischen Versorgung befasste sich Prof. Neumann schwerpunktmäßig mit der Versorgung von Patient*innen mit chronisch-entzündlichen, nicht ansteckenden Hauterkrankungen, wie Schuppenflechte und Neurodermitis. Zudem behandelte sie Betroffene mit Autoimmundermatosen, bei denen das körpereigene Immunsystem fehlgeleitet ist und Strukturen der eigenen Haut und Schleimhäute angreift, sowie mit bösartigen Tumorerkrankungen der Haut, wobei hier insbesondere die Wächterlymphknotenchirurgie und die computerassistierte Muttermalkontrolle im Vordergrund standen. 

Mitgliedschaften
Prof. Neumann war Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Forschung e.V. (ADF) sowie Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Immunologie e.V. (DGfI), der European Society of Dermatological Research (ESDR), der Melanoma-Gruppe der European Organisation for Research and Treatment of Cancer (EORTC), der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG), der Rheinisch-Westfälischen Dermatologischen Gesellschaft e.V., der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) sowie der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Histologie e.V. (ADH). 

Im Jahr 1997 wurde sie zum ordentlichen Mitglied des wissenschaftlichen Beirates „Globale Umweltveränderungen“ des Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft sowie des Bundesministeriums für Umwelt berufen. 

Pressekontakt:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Leitung Unternehmenskommunikation
Lena Bösch 
Von-Siebold-Str. 3, 37075 Göttingen
Telefon 0551 / 39-61020
Fax 0551 / 39-61023
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