Neubau für die Hörforschung: UMG bündelt Expertise unter einem Dach



An der Robert-Koch-Straße entsteht ein neues Forschungsgebäude der Universitätsmedizin Göttingen (UMG): das Institut für Auditorische Neurowissenschaften (IAN). Die Bauarbeiten haben bereits im März dieses Jahres begonnen. Bis Ende 2028 soll der Neubau fertiggestellt sowie die Inbetriebnahme abgeschlossen sein, sodass 2029 das Gebäude bezogen werden kann. Die Kosten von 35,5 Millionen Euro sind in die Bauplanung des Landes Niedersachsen aufgenommen. Für die Erstausstattung, darunter technisches Equipment und Laborgeräte, sind weitere rund 2,6 Millionen Euro vorgesehen.
In dem Neubau werden die Forschungsgruppen des IAN künftig unter einem Dach zusammengeführt. Bisher waren die Wissenschaftler*innen an unterschiedlichen Standorten auf dem Göttingen Campus angesiedelt. Die räumliche Nähe soll die Zusammenarbeit erleichtern, Wege verkürzen und den wissenschaftlichen Austausch fördern. Gleichzeitig können aufwendige Forschungsgeräte und die spezielle Infrastruktur des Instituts gemeinsam genutzt werden.
Forschung für besseres Hören
Das IAN erforscht die molekularen, zellulären und physiologischen Grundlagen des Hörens sowie die Mechanismen, die Hörstörungen verursachen. Ziel ist es, die Verarbeitung von Schall im Hörsystem besser zu verstehen und neue Wege zur Wiederherstellung des Hörvermögens zu entwickeln. Dazu gehören gentherapeutische Ansätze bei erblich bedingten Hörstörungen ebenso wie die Entwicklung eines optogenetischen Cochlea-Implantats. Bei der Optogenetik werden Zellen mithilfe lichtempfindlicher Proteine gezielt durch Licht gesteuert. Für das Hören eröffnet dies die Perspektive, mit dem optischen Cochlea-Implantat Sprache in Alltagssituationen besser zu verstehen als es mit konventionellen Cochlea-Implantaten möglich ist.
„Mit dem neuen Gebäude schaffen wir die räumlichen Voraussetzungen dafür, dass unsere Forschungsgruppen noch enger zusammenarbeiten können. Gerade bei komplexen Fragestellungen rund um das Hören ist der Austausch zwischen unterschiedlichen Disziplinen entscheidend“, sagt Prof. Dr. Tobias Moser, Direktor des Instituts für Auditorische Neurowissenschaften der UMG.
Eng mit der Forschung des IAN verbunden ist das Else Kröner Fresenius Zentrum für Optogenetische Therapien (EKFZ-OT). Seit April 2024 arbeiten dort fachübergreifende Teams unter der Leitung von Prof. Moser daran, das Potenzial der Optogenetik für die klinische Medizin nutzbar zu machen. Im Mittelpunkt stehen neue Therapieansätze bei Taubheit, Blindheit, Magenlähmung und Bewegungseinschränkungen. Ziel ist es, optogenetische Verfahren aus der Grundlagenforschung in die therapeutische Anwendung zu überführen.
Auch im Sonderforschungsbereich 1690 spielt die Hörforschung des IAN eine zentrale Rolle. Der Sonderforschungsbereich untersucht Krankheitsmechanismen und entwickelt neue Strategien, um beeinträchtigte sensorische und motorische Funktionen wiederherzustellen – unter anderem mithilfe der Optogenetik und neuer Neuroprothesen.
Der Neubau schafft für dieses Forschungsumfeld eine wichtige infrastrukturelle Basis. „Mit dem IAN investieren wir gezielt in einen wichtigen Forschungsschwerpunkt der UMG: die Neurowissenschaften. Exzellente Grundlagenforschung wird hier mit technologischer Entwicklung verbunden, damit neue Erkenntnisse künftig schneller für Patient*innen nutzbar gemacht werden können. Das Gebäude schafft dafür die notwendige Infrastruktur und stärkt zugleich den Forschungsstandort Göttingen“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Brück, Sprecher des Vorstands und Vorstand Forschung und Lehre der UMG.
Labore, Büros und Räume für Austausch
Diesen Raum für Forschung und wissenschaftlichen Austausch bieten das neue Gebäude auf einer Nutzfläche von 1.857 Quadratmetern. Geplant sind Labor- und Büroflächen sowie Seminarräume. Ein Teil der Labore ist für Arbeiten mit höchstauflösenden Mikroskopen vorgesehen. Diese Untersuchungen sind besonders empfindlich gegenüber Erschütterungen. Bei der Planung wurden deshalb die Anforderungen an die Schwingungsfreiheit entsprechend berücksichtigt.
Das Gebäude umfasst drei Geschosse, wobei das Dachgeschoss zurückgesetzt gebaut wird, um das Gebäude leichter wirken zu lassen. Der Haupteingang befindet sich an der Südseite und ist direkt von der Robert-Koch-Straße zu erreichen. Auch ökologische Aspekte werden bei der Planung berücksichtigt. Auf dem Flachdach ist eine Photovoltaikanlage vorgesehen und Teile der Dachflächen werden begrünt.
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