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Nachruf für Professor Dr. Heinz-Joachim Radzun

Ehemaliger Direktor des Instituts für Pathologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) im Alter von 76 Jahren verstorben.

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Prof. Dr. Heinz-Joachim Radzun. Foto: mvz göttingen/frank stefan kimmel

Prof. Dr. Heinz-Joachim Radzun, langjähriger Inhaber des Lehrstuhls Allgemeine Pathologie und Pathologische Anatomie I sowie ehemaliger Direktor der Abteilung Allgemeine Pathologie und Pathologische Anatomie I im Zentrum Pathologie (heute: Institut für Pathologie) der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), ist am 22. Juli 2026 im Alter von 76 Jahren verstorben.  

Die UMG trauert um einen engagierten Pathologen, begeisternden Hochschullehrer und leidenschaftlichen Forscher, der national sowie international wissenschaftliche Anerkennung fand. Prof. Radzun leistete wesentliche Beiträge in der Erforschung von Lymphdrüsenkrebs und des Immunsystems, insbesondere des Monozyten-Makrophagen-Systems als wichtiger Bestandteil des menschlichen Abwehrsystems. Hervorzuheben sind hier die Entwicklung spezifischer Antikörper zur Früherkennung von Krebs und die Charakterisierung von Immunzellen. Prof. Radzun war Mentor und Lehrer mehrerer Generationen von Patholog*innen, von denen viele heute in herausgehobenen Positionen bundesweit arbeiten.

Prof. Dr. Heinz-Joachim Radzun wurde am 14. Januar 1950 in Recklinghausen, Nordrhein-Westfalen, geboren. Von 1969 bis 1977 studierte er Medizin an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, davon ein Semester an der Universität Wien in Österreich und ein Semester am King´s College London in Großbritannien. Anschließend absolvierte er die Medizinalassistentenzeit in der Universitätsklinik Kiel (heute: Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel), unter anderem im Pathologischen Institut. 1978 erhielt er die Approbation als Arzt und promovierte sich im selben Jahr zum Thema „Diagnose und Häufigkeit der primären Hyperlipoproteinämien bei Neugeborenen“. Für seine Promotionsarbeit wurde er mit dem Preis des Fachbereichs Medizin ausgezeichnet. Ab 1978 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter unter Leitung von Prof. Karl Lennert am Kieler Pathologischen Institut, einer damals für Lymphomforschung weltweit führenden Einrichtungen. 1984 habilitierte er sich zum Thema „Immunhistochemie des menschlichen mononukleär phagozytischen Systems" und erhielt die Lehrbefugnis (Venia legendi). Im Jahr 1985 folgte die Ernennung zum Facharzt für Pathologie. 1987 trat er eine Stelle als Oberarzt im Bereich der bioptischen Diagnostik am Pathologischen Institut an und wurde im Juni 1988 mit einer Stiftungsprofessur durch den Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft ausgezeichnet. Im September 1988 ernannte ihn die Universität Kiel zum außerplanmäßigen Professor. 1992 folgte er dem Ruf nach Göttingen auf den Lehrstuhl Allgemeine Pathologie und Pathologische Anatomie I und wurde Direktor der gleichnamigen Abteilung im Zentrum Pathologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Die Abteilung war seinerzeit eine von zwei Abteilungen, die im Rahmen eines Umstrukturierungsprozesses zur Abteilung Pathologie zusammengeführt wurden. Von 2012 bis zu seinem Ruhestand 2018 leitete Prof. Radzun die neue Abteilung in einer Doppelspitze mit dem 2012 berufenen und heute amtierenden Direktor des Instituts für Pathologie der UMG, Prof. Dr. Philipp Ströbel.

Wissenschaftliche Arbeitsschwerpunkte von Prof. Radzun waren die Erforschung des Immunsystems und dessen Einfluss auf die Entstehung und Entwicklung von Krebserkrankungen. Er befasste sich mit der Charakterisierung von Entzündungszellen, die aus dem Blut in geschädigtes Gewebe wandern und sich dort in spezialisierte Zellen zur Immunabwehr und Heilung entwickeln. Zudem untersuchte er maligne Lymphome, bösartige Krebserkrankungen des lymphatischen Systems, die auch als Lymphdrüsenkrebs bezeichnet werden, und befasste sich mit der molekularen Gewebediagnostik, mittels derer sich Aussagen über Risiken für die Entstehung oder Veranlagung bestimmter Erkrankungen treffen lassen.

Sein besonderer Schwerpunkt lag auf der Erforschung der Makrophagen, auch „Fresszellen“ genannt, die Teil des menschlichen Abwehrsystems sind. Ein sehr wesentliches Ergebnis von Prof. Radzuns Arbeiten war die Entwicklung eines hochspezifischen monoklonalen Antikörpers, der gegen ein Schlüsselprotein auf der Oberfläche von menschlichen Makrophagen gerichtet ist und bis heute unter dem Namen Ki-M1P (Ki steht dabei für „Kiel“) weltweit für wissenschaftliche Arbeiten und die Routinediagnostik in hämatologischen und pathologischen Laboren verwendet wird. Aufgrund seiner besonderen Eigenschaften ist der Antikörper auch für Analysen an fixierten Geweben geeignet und damit prädestiniert für den diagnostischen Einsatz in der Pathologie.

Pressekontakt:
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