Klar in der Sache, respektvoll zum Menschen




Spitzenvertreter*innen aus Politik und Landesbehörden, Wissenschaftseinrichtungen und Universität, Gesundheitseinrichtungen, Wirtschaft, Religion und Ehrenamt sowie Führungskräfte aus dem eigenen Haus, insgesamt mehr als 500 Gäste, fanden sich am Dienstag, 25. November, zum Jahresempfang der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) ein. Die Keynote „Entscheidungen unter Druck“ von Fußballschiedsrichter Deniz Aytekin und eine anschließende Podiumsdiskussion zum selben Thema waren die inhaltlichen Höhepunkte der Veranstaltung.
Als weitere Diskussionsteilnehmer*innen neben Aytekin hatte die UMG Prof. Dr. Joachim Schachtner, Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, Oliver Jakobi, Chief Exekutive Officer und Chief Sales Officer von Ottobock, und Prof. Dr. Christine Stadelmann-Nessler, Direktorin des Instituts für Neuropathologie der UMG auf die Bühne geladen. Prof. Dr. Wolfgang Brück, Sprecher des Vorstandes und Vorstand Forschung und Lehre der UMG, moderierte die Diskussion.
Unter den Gästen des Jahresempfangs waren auch Stephan Weil, Ministerpräsident a. D. und seit kurzem Vorsitzender des Stiftungsausschusses der Georg-August-Universität, Oberbürgermeisterin Petra Broistedt sowie die beiden Göttinger Nobelpreisträger Prof. Dr. Dr. Erwin Neher und Prof. Dr. Stefan Hell. Darüber hinaus zählten die Vizepräsidentinnen und Vizepräsidenten der Universität Göttingen, Dr. Valerie Schüller, Prof. Dr. Inge Hanewinkel, Prof. Dr. Bernhard Brümmer und Prof. Dr. Max Wardetzky zu den Gästen. Zudem waren die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) sowie viele weitere Partner- und Nachbarkliniken durch ihre führenden Köpfe vertreten.
NIKO und ELKI kommen
Mit einem Blick auf UMG-Themen des Jahres 2025 eröffnete Prof. Brück den Abend. Die aktuellen und anstehenden Bautätigkeiten an der Robert-Koch-Straße waren dabei natürlich zuerst zu benennen. Für die Baustufe 1, das zukünftige „NIKO“ (Notaufnahme, Intensivmedizin, Krankenpflege, Operationszentrum), liegen die Arbeiten voll im Zeitplan, die Übergabe an die UMG wird für 2029 erwartet. Die demgegenüber etwas kleinere Baustufe 2, das Eltern-Kind-Zentrum „ELKI“ befindet sich in Planung und soll 2030 übergeben werden. Auch im Hinblick auf das ELKI zeigte sich Brück zuversichtlich, dass der anvisierte Zeit- und Kostenplan gehalten werden kann.
Eine gute Nachricht im Jahr 2025 war auch, dass das Land Niedersachsen zusätzliche 600 Millionen Euro im Rahmen des Sondervermögens für den Neubau der UMG zur Verfügung stellt. Dieses Geld soll in den Bau von zwei Parkhäusern, einem neuen Lehrgebäude und einem Diagnostik- und Forschungszentrum fließen.
Fördermittel für Wissenschaft und Transfer
Finanzielle Mittel erhält die UMG auch über das Förderangebot „Potenziale strategisch entfalten“ aus dem Programm „zukunft.niedersachsen“ des niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur und der Volkswagenstiftung. Eine Förderung von fast 20 Millionen Euro gibt der UMG die Möglichkeit, ihr wissenschaftliches Profil zu schärfen und basierend auf den eigenen Stärken neu auszurichten.
Auch in puncto Transfer, also der Umsetzung von wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Wohle der Patient*innen, gab es neue Entwicklungen. Die UMG setzte sich in einem Wettbewerb des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie durch und kann deshalb im Jahr 2026 die Startup Factory GOe FUTURE mit dem Schwerpunkt rote und grüne Life Sciences sowie Medizintechnik etablieren.
Nach dem Rück- und Ausblick gab Brück das Mikrofon für die Keynote an Fußballreferee Deniz Aytekin weiter.
Gute Entscheidungen in 0,8 Sekunden
Gerade einmal 0,8 Sekunden Reaktionszeit bis zum Pfiff, so zeigen es Untersuchungen, werden einem*r Fußballschiedsrichter*in vom Publikum zugebilligt – egal wie komplex die zu entscheidende Spielsituation ist. Im Stadion mit Zehntausenden Zuschauern und angesichts der Millionensummen, die für einen Profiverein von einer Fehlentscheidung abhängen können, ist zudem der Druck auf den Referee gewaltig. Wie gelingt es da, gute und schnelle Entscheidungen treffen? Mit gründlicher Vorbereitung auf das Spiel und dem Antizipieren des Spieler*innenverhaltens, erläuterte Deniz Aytekin anhand von Videobeispielen.
Doch zu Beginn seiner Laufbahn wurde der gebürtige Nürnberger von Bundesligaspielern noch zum unbeliebtesten Schiedsrichter Deutschlands gewählt, erst später dann mehrfach zum DFB-Schiedsrichter des Jahres. Denn erst im Laufe der Jahre hat Aytekin gelernt, was ihm beim Karrierestart noch fehlte: „In der Sache klar entscheiden und handeln, aber zum Menschen herzlich sein. Ich muss Person und Verhalten trennen können und dem Menschen immer mit Respekt und auf Augenhöhe begegnen.“ Den Respekt erhielt Aytekin schließlich auch von den Fußballstars zurück, nicht wegen seiner Funktion als Referee, sondern wegen der Empathie, mit der er selbst aufgetreten ist.
Menschlich entscheiden in Wirtschaft, Politik und Medizin
Dass für Unternehmenslenker*innen, Politiker*innen und Mediziner*innen Herausforderungen und Lösungsansätze ganz ähnlich aussehen, wurde in der Podiumsdiskussion schnell deutlich.
„Wie im Fußball muss man auch in der Medizin in Sekunden Entscheidungen treffen. Das ist für die Kolleg*innen in vielen unserer Teams ganz normaler Alltag“, sagte Prof. Dr. Wolfgang Brück, Sprecher des Vorstandes und Vorstand Forschung und Lehre der UMG. Dem pflichtete Prof. Dr. Christine Stadelmann-Nessler, Direktorin des Instituts für Neuropathologie der UMG, bei und ergänzte: „In diesen Situationen sind eine gute Ausbildung, Erfahrung und enge Zusammenarbeit im Team wichtig. Störfaktoren sollten ausgeblendet werden. Außerdem braucht es eine transparente Fehlerkultur, um immer besser zu werden.“
„Entscheidungen unter Zeit- oder Erwartungsdruck sind in der Wissenschafts- und Kulturpolitik keine Ausnahme. Dann gilt es, besonnen zu bleiben, Fakten zu sichten und mit Beteiligten zu sprechen. Das bedeutet für mich, verantwortungsvoll zu entscheiden“, kommentierte Prof. Dr. Joachim Schachtner, Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, seine Erfahrungen aus der Politik.
Oliver Jakobi brachte schließlich die unternehmerische Perspektive ein. „Mit Respekt und dem Erklären von Entscheidungen lassen sich auch in der Unternehmensführung schwierige Situationen lösen“, sagte der Chief Executive Officer und Chief Sales Officer von Ottobock.
Die Diskussion mündete in viele angeregte Gespräche der Besucher*innen, mit denen der Abend unter musikalischer Begleitung von Jazzpianist Gregor Kilian und Sängerin Hanna Carlson ausklang.
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Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
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Fotos: umg/swen pförtner
















































































































