Heiko Bock - Krankenpfleger in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie sowie "Tiertherapeut"

Tiergestützte Therapie in der Universitätsmedizin Göttingen

Um an einer Delfintherapie in Florida teilnehmen zu können, muss man einige Hürden meistern. Neben den finanziellen Mitteln, die man aufbringen muss, kommt in diesem Jahr aufgrund der Pandemie auch die eingeschränkte Reisefreiheit hinzu.

Hinter diesem Türchen versteckt sich jemand, den Sie ohne Flugzeug erreichen können und bei dem Sie auch kein Vermögen investieren müssen, um an einer tiergestützten Therapie mit Alpakas, Pferden oder Rindern teilnehmen zu können.

Heiko Bock besucht mit seinen Therapietieren zweimal wöchentlich die UMG.

Heiko Bock, 54 Jahre, ehemaliger Zahnmedizinstudent, gelernter Tischler, als Quereinsteiger zur Krankenpflege in die UMG gekommen und seit 2018 zertifizierter Therapeut für tiergestützte Intervention und Pädagogik.

„Eins kam zum anderen“

Heiko Bock hat mittlerweile zwei Höfe in Hardegsen, auf denen 40 Tiere leben. Unter anderem hat er Pferde, Esel, Lamas, Alpakas, Hunde, Minischweine, Miniziegen, Trampeltiere und Rinder. Alle Tiere bildet er zu Therapietieren aus.

Dabei ist er gar nicht auf einem großen Hof mit so vielen Tieren aufgewachsen. "Eins kam zum anderen", sagt er schmunzelnd.

Für wen ist die Therapie mit Tieren geeignet?

Esel, Lamas, Pferde, Ziegen – mit entsprechender Ausbildung eignen sich viele Tierarten zum Therapietier.

Seit letztem Jahr kommt Heiko Bock wöchentlich mit einer Auswahl seines Tierparks in die UMG. Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie sowie die Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie nehmen das Angebot 8 Stunden in der Woche an. Auch die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin und die Abteilung für Geriatrie sind bereits mit Heiko Bock im Austausch.

Vor allem Patient*innen mit Angst- und Zwangsstörungen, ADHS, Spastiken oder Tourette profitieren von der Therapie mit Tieren. Gerade im Moment, im Zusammenhang mit Corona und dem Beginn der dunkleren Jahreszeit, verzeichnet Heiko Bock vermehrt Anfragen von Personen mit Depressionen.

Die ruhige Art vieler Tiere hat dabei eine außerordentlich positive Wirkung auf Betroffene. Dabei ist es ganz egal, ob es um Kinder, Erwachsene oder ältere Menschen geht – Erfolgserlebnisse hatte Heiko Bock schon in allen Altersschichten.

"Das Besondere an der Therapie mit Tieren ist u.a., dass Tiere wertfrei auf die Sorgen, Ängste und Probleme der Patient*innen reagieren"

Der Regel nach lernen Patient*innen beim ersten Treffen verschiedene Tiere kennen – dies geschieht häufig nicht auf UMG-Boden, sondern auf dem Bock´schen Hof (Oscars Farm). Dabei nimmt Heiko Bock Stimmungen zwischen Mensch und Tier wahr. Nicht jeder Mensch reagiert gleich auf die verschiedenen Tiere, nicht jedes Krankheitsbild wird immer mit demselben Tier behandelt – die Auswahl des geeigneten Therapiertier ist dabei eine sehr individuelle Angelegenheit.

Heiko Bock unterstützt in den folgenden Terminen dabei, die Verbindung zwischen Mensch und Tier zu stärken. Dadurch können Ängste und Hemmungen abgebaut werden. In den meisten Fällen wird durch Nähe eine Vertrauensbasis aufgebaut, sodass die Patient*innen in dem Tier den Ersatz bzw. die Ergänzung ihrer*s Therapeutin*en sehen. Jemand, der das Besprochene nicht an Familie und Freunde weitergeben kann.

"Das Besondere an der Therapie mit Tieren ist u.a., dass Tiere wertfrei auf die Sorgen, Ängste und Probleme der Patient*innen reagieren", sagt Heiko Bock. Die Therapie ist so weniger durch die*den Therapeutin*en beeinflussbar, was häufig eine große Hemmschwelle nehmen und Missverständnisse vorbeugen kann.

Ein eingespieltes Team: Herr Bock mit Lama Samira (hellbraun) und Alpaka Nala (dunkelbraun).

„Austherapierte Patient*innen sind geblieben und helfen nun auf dem Hof. Das Ganze nennt sich Erlebnispädagogik“

Die Häufigkeit von Therapiestunden mit Tieren ist nicht zu pauschalisieren. Es gibt Fälle, bei denen nach einmaliger Behandlung direkt ein positiver Effekt bemerkbar ist; bei wieder anderen ist auch nach mehrmaligen Sitzungen keinerlei Veränderungen sichtbar. Viele Patient*innen konnte Heiko Bock schon „austherapieren“. So konnte zum Beispiel nach zweijähriger Betreuung eines Klienten das gemeinsame Arbeiten mit den Tieren zu einem festen Termin im Wochenplan werden. Da kann das Therapiekonzept auch mal in eine Erlebnispädagogik auf Oscars Farm umgewandelt werden. Tiere füttern, Ställe säubern – auf einem Hof gibt es immer etwas zu tun. Das sind Fälle, so sagt Heiko Bock zufrieden, wo man merke, für was man die Arbeit macht. Den Fortschritt bei Patient*innen beobachten zu können sei neben der Ausbildung der Tiere und den Tag draußen verbringen zu können das Schönste seines Jobs.

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Die Corona-Pandemie stellt uns vor große Herausforderungen. Vielleicht haben Sie das Gefühl, dass Ihnen "Boden unter den Füßen weggezogen" wird? Sie sind nicht allein!

Die UMG hilft mit verschiedenen Angeboten, Ihren Ängsten entgegenzuwirken oder besser mit der derzeitigen Situation umzugehen.

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