Schlaganfall & Herzinfarkt

Warnzeichen nicht ignorieren

Seit Beginn der Coronakrise ist die Zahl der Notfall-Patienten ohne Covid-19 Erkrankung deutlich zurückgegangen. Viele Patienten, auch mit schweren und lebensbedrohlichen Erkrankungen, meiden aus Angst vor einer Corona-Infektion derzeit die Krankenhäuser. Das Zögern von Patienten kann jedoch gefährliche Konsequenzen haben, denn Erkrankungen wie ein Schlaganfall oder Herzinfarkt sind zeitkritisch und müssen unverzüglich behandelt werden. Bei beiden Erkrankungen verstopft ein Blutgerinnsel ein lebenswichtiges Gefäß im Herzen oder im Gehirn. Deshalb ist in diesen Fällen immer Eile geboten.

Frühes Handeln verbessert Prognose

Durch eine richtige Diagnose im frühen Stadium können Komplikationen und schwere Verläufe oftmals vermieden werden. Das bedeutet: Je früher der Patient in einer Klinik behandelt werden kann, desto höher ist die Überlebensrate und desto geringer die Wahrscheinlichkeit für schwere, bleibende Schäden.

Jede Minute zählt

Schlaganfall- und Herzinfarkterkrankungen müssen unverzüglich im Krankenhaus behandelt werden, da sie sonst mitunter schwere Folgen wie beispielsweise Herzmuskelschwäche, Herzrhythmusstörungen oder schwere neurologische Ausfälle wie Lähmungen, Sprachstörungen oder Gesichtsfeldausfälle mit sich bringen und auch zum Tod führen können. Die meisten Therapieverfahren, die in der Akutsituation eingesetzt werden, können allerdings nur innerhalb eines sehr kurzen Zeitabschnitts nach Beginn der Symptome eingesetzt werden, solange die entsprechenden Gehirn- oder Herzmuskel-Zellen noch nicht durch Sauerstoff und Nährstoffmangel abgestorben sind. Nach diesem ‚Zeitfenster‘ ist in der Regel beispielsweise ein Auflösen eines Gerinnsels im Gehirn oder seine mechanische Entfernung nicht mehr möglich und auch nicht sinnvoll.

Plötzliche Symptome ernst nehmen

Plötzlich auftretende Symptome wie Seh- oder Sprachstörungen, Lähmungserscheinungen und Gefühlstörungen sollten deshalb auch in Zeiten einer Pandemie unbedingt sehr ernst genommen werden. Gerade für Patienten mit initial leichten Symptomen eines Schlaganfalls können die Folgen schwer sein, wenn sie zu Hause bleiben und keine Behandlung erfolgt. Solchen leichten Vorboten folgen nämlich häufig sehr viel schwere Schlaganfall-Symptome welche dann mit dem Risiko für deutlich schwerere Verläufe bzw. Komplikationen einhergehen. In den letzten Wochen gab es zudem Berichte darüber, dass bei Patienten mit einer COVID-19-Infektion das Risiko für venöse Thrombosen und Lungenembolien aber auch Schlaganfälle deutlich ansteigt. Dies unterstreicht die Notwendigkeit bei einem Verdacht schnellstmöglich die Klinik aufzusuchen.

Kein erhöhtes Corona-Risiko bei stationärer Behandlung

Fest steht: Verzögern Betroffene eine Behandlung, bringen sie sich unnötig in Gefahr. Patienten sollten keinesfalls vor Sorge um eine Ansteckung eine Krankenhausbehandlung vermeiden. Die Versorgung von Akutpatienten im Krankenhaus ist auch während der Pandemie sichergestellt und erfolgt in räumlicher Trennung von Covid-19-Patienten unter strikter Beachtung der empfohlenen Hygienemaßnahmen. Außerdem werden alle Patienten an der UMG bei der Aufnahme und vor speziellen Eingriffen auf Covid-19 getestet. Die Kliniken haben den Behandlungsablauf komplett neu organisiert und extra Bereiche und Stationen aufgebaut. Die Befürchtung, sich mit dem Coronavirus zu infizieren ist nachvollziehbar, aber unbegründet.

Herzinfarkt – Das sind die Anzeichen

Jedes Jahr sterben in Deutschland etwa 345.000 Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, darunter etwa 47.000 Menschen am Herzinfarkt. Rund 30 Prozent von ihnen sterben laut der Deutschen Herzstiftung außerhalb der Klinik, weil sie zu spät oder gar nicht den Notarzt alarmieren. Ein Grund dafür ist, dass Betroffene bei Verdacht immer noch zu lange zögern, den lebensrettenden Notruf 112 zu wählen. Dabei sollte ein Patient innerhalb der ersten 120 Minuten nach Infarkt behandelt werden, damit seine Überlebenschancen optimal sind.

Typische Symptome im Akutfall

Rund ein Drittel der Herzinfarkte treten plötzlich auf, ohne, dass sie sich durch Schmerzen oder Beschwerden angekündigt hätten. Im Akutfall sind die folgenden Symptome typisch:  

  • Schmerzen oder ein unangenehmes Engegefühl im Brustkorb
  • Ausstrahlung in den linken Arm oder den Kiefer
  • Luftnot
  • Übelkeit, Erbrechen, Oberbauchschmerzen
  • Schwindelanfälle
Schnelle Behandlung rettet Gewebe

Gelingt es nicht, das Gefäß innerhalb weniger Stunden wieder zu öffnen, stirbt das von der Blutzufuhr abgeschnittene Muskelgewebe ab. Nur eine schnelle Therapieeinleitung und die Wiederherstellung der Durchblutung der Herzgefäße verhindern Schäden am Herzmuskel und geben dem Patienten die Möglichkeit, wieder gesund zu werden. Herzinfarkte, aber auch andere Herznotfälle wie eine akute Herzinsuffizienz oder lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen, sind keine aufschiebbaren Leiden. Diese Notfälle müssen im Krankenhaus, am besten in einer sogenannten „Chest Pain Unit“ (Brustschmerz-Einheit) versorgt werden.

Schlaganfall – immer ein medizinischer Notfall

Etwa 270.000 Menschen erleiden pro Jahr in Deutschland einen Schlaganfall. Die Erkrankung ist lebensbedrohlich, außerdem kann es durch die Unterversorgung des Gehirns mit Blut zu dauerhaften Schäden kommen - eine der Hauptursachen für bleibende Behinderungen. Deshalb gilt bei der Schlaganfallversorgung: time is brain. Jede Minute des Zögerns erhöht das Risiko, dass der Patient stirbt oder dauerhafte Beeinträchtigungen wie Lähmungen, Sprach- und Verständnisstörungen, Seh- oder Koordinationsstörungen sowie Depressionen eintreten. Eine schnelle Versorgung der Betroffenen auf einer Stroke Unit, einer auf die Behandlung von Schlaganfällen spezialisierten Abteilung, kann Leben retten.

Auch bei der sogenannten transitorischen ischämischen Attacke (TIA), eine Art „Mini-Schlaganfall“, besteht akuter Behandlungsbedarf, da sie der Vorbote eines starken Schlaganfalls sein kann. Das Tückische daran ist: Die TIA geht oftmals alleine wieder vorbei, es besteht aber das Risiko eines zeitnahen schweren Schlaganfalls. Wird dieser schnell erkannt und auf einer Stroke Unit behandelt, kann dieser ‚Folge-Schlaganfall‘ in vier von fünf Fällen abgewendet werden. Deshalb ist es wichtig, dass Betroffene von einem Facharzt behandelt werden.

Schlaganfall – das sind die typischen Symptome
  • Plötzlich einsetzende Schwäche oder Lähmung auf einer Körperseite (eines Armes, Beines oder im Gesicht)
  • Plötzliche Sprachschwierigkeiten bis hin zur Lähmung
  • Sehstörungen
  • Schwindel
  • Übelkeit, Erbrechen, Verwirrtheit
  • sehr starke Kopfschmerzen
FAST-Test hilft bei Einschätzung

Um zu überprüfen, ob jemand anderes die Symptome hat, hilft der sogenannte FAST-Test. FAST steht hierbei für „face, arm, speech und time“, übersetzt: Gesicht, Arm, Sprache, Zeit. Und so funktioniert der Test:

  • Bitten Sie den Betroffenen zu Lächeln. Wenn sich das Gesicht einseitig verzieht, kann eine Gesichtslähmung vorliegen.
  • Bitten Sie die Person dann, die Arme nach vorne zu strecken und die Handflächen nach oben zu drehen. Bei einer - meist einseitigen – Lähmung kann ein Arm die Hebung oder Drehung nicht mitvollziehen.
  • Testen Sie außerdem, ob der Betroffene einen einfachen Satz nachsprechen kann. Ist dies nicht möglich oder klingt der Satz undeutlich, kann das ein Anzeichen sein.

Wenn nur eine der drei Reaktionen zutrifft, sollte man sofort den Notruf wählen. Denn der Fakt „time“ steht dafür, dass jede Minute zählt.

Autoren

Direktor der Klinik für Kardiologie und Pneumologie

Prof. Dr. med. Gerd Hasenfuß

Kontaktinformationen

  • Direktor der Klinik für Kardiologie und Pneumologie

    Curriculum Vitae

    Publikationen

    Forschungsschwerpunkte: Herzinsuffizienz, Pathophysiologie und Therapie, Elektromechanische Kopplung, Herzregeneration

Direktor der Klinik für Neurologie

Prof. Dr. Mathias Bähr

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