Corona-Forschung an der UMG

Hier forschen wir

Die UMG beteiligt sich am Nationalen Forschungsnetzwerk der Universitätsmedizin im Kampf gegen COVID-19

Die UMG hat Mitte Februar 2020 detaillierte und pragmatische Konzepte für die optimale Versorgung von COVID-19 Patient*innen eingeführt und kontinuierlich an neue Erkenntnisse angepasst.

Aktuell beteiligt sich die UMG an der nationalen COVID-19 Forschungsinitiative aktiv. Ende März 2020 hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) den Aufbau dieses Forschungsnetzwerks initiiert, um die Aktivitäten der deutschen Universitätsmedizin zur Bewältigung der aktuellen Pandemie-Krise zu bündeln und zu stärken. Dieses Netzwerk wird vom BMBF für ein Jahr mit 150 Millionen Euro unterstützt und von der Charité – Universitätsmedizin Berlin koordiniert.

Über das Netzwerk sollen die Maßnahmenpläne, Diagnostik- und Behandlungsstrategien der deutschen Universitätskliniken zusammengeführt und ausgewertet werden. Auf diese Weise sollen Strukturen und Prozesse in den Kliniken geschaffen werden, die eine optimierte und vereinheitlichte Diagnose und Versorgung der COVID-19-Patient*innen sicherstellen.

Die Daten der behandelten COVID-19-Patient*innen sollen systematisch erfasst und in einer gemeinsamen Datenbank dokumentiert werden. Das Institut für Medizinische Informatik der UMG übernimmt die Verantwortung für den Betrieb dieser zentralen Datenplattform. Die so gewonnenen Erkenntnisse sollen möglichst schnell und breit kommuniziert werden, um flächendeckend die bestmögliche Behandlungsqualität sicherzustellen. Darüber hinaus sollen wissenschaftliche Erkenntnisse für die Impfstoffentwicklung, aber auch für das Management der aktuellen, und auch zukünftiger Pandemien, gewonnen werden.

Im Rahmen des Nationalen Forschungsnetzwerkes werden folgende Themen bearbeitet:

  • Entwicklung neuer Testsysteme
  • Telemedizinische Versorgungskonzepte
  • Vorhersage von Infektionen und schweren Verläufen, zur Vermeidung nosokomialer Infektionen
  • Entscheidungsunterstützung in Notaufnahme und Intensivstation

Weitere Forschungsthemen im Überblick

Am 27.05.2020 ist die 4. Ad hoc Stellungnahme der Leopoldina unter Beteiligung der UMG, d.h. von

  • Prof. Dr. Jutta Gärtner, Direktorin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsmedizin Göttingen
  • Prof. Dr. Simone Scheithauer, Direktorin des Instituts für Krankenhaushygiene und Infektiologie, Universitätsmedizin Göttingen
  • Prof. Dr. Claudia Wiesemann, Direktorin des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin, Universitätsmedizin Göttingen

erschienen. Die nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina zur Coronavirus-Pandemie widmet sich dem Thema: „Medizinische Versorgung und patientennahe Forschung in einem adaptiven Gesundheitssystem“. Das Papier konzentriert sich auf kurz- und mittelfristige Aspekte der medizinischen und pflegerischen Versorgung unter den Bedingungen einer anhaltenden Pandemie und zeigt langfristige Maßnahmen für ein resilientes und anpassungsfähiges Gesundheitssystem auf.

Diagnostisches Netzwerk CoV2-Dia-NetGÖ

Im April wurden die Kapazitäten für Corona-Tests in Göttingen deutlich ausgeweitet. Dazu wurde das diagnostische Netzwerk "CoV2-Dia-NetGÖ" aufgebaut – unter Federführung des Instituts für Medizinische Mikrobiologie der Universitätsmedizin Göttingen. Wissenschaftler des Instituts forschen nun daran, wie sich die Testverfahren optimieren lassen.

Welche Tests werden aktuell am Institut durchgeführt?

Zum Virusnachweis werden sogenannte PCR-Tests durchgeführt. Zunächst wird durch einen Rachenabstrich Material gewonnen. Dieses wird anschließend mittels einer sogenannten Polymerasenkettenreaktion (PCR) auf das Vorhandensein von Virus-Erbgut analysiert.

Seit kurzem kommen im Labor auch Antikörper-Tests zum Einsatz. Diese Tests geben Auskunft darüber, ob ein Patient die Infektion bereits in der Vergangenheit durchgemacht hat – für die Feststellung einer akuten Infektion eignen sie sich nicht.

Wie zuverlässig sind die RNA-Tests?

RNA-Tests sind sehr zuverlässig, um eine akute Infektion mit dem Virus nachzuweisen. Sie gelten deshalb als ein wichtiges Mittel, um die Virusausbreitung unter Kontrolle zu halten. 

Normalerweise erfolgt die Aufbereitung der Probe mittels dafür vorgesehener Apparate. Da jedoch benötigte Komponenten für die Geräte aktuell auf den Weltmarkt nur eingeschränkt zu beschaffen sind, bereiten auch studentische Helfer*innen die RNA per Hand auf.

Um die Auswirkungen von Lieferengpässen künftig zu reduzieren, arbeiten die Göttingern Forscher daran, schwer zu beschaffende Komponenten für die PCT-Tests selbst zu produzieren. Auch kleine Plastikgefäße, in denen die Proben aufbereitet werden können, sind teilweise knapp. Es wird an Lösungen gearbeitet. Automatisierte Testapparate sollen mittelfristig eine fortlaufend hohe Testkapazität gewährleisten.

Wie zuverlässig sind die Tests zum Antikörpernachweis?

Derzeit sind verschiedene Testsysteme zum Antikörpernachweis im Umlauf: von frei verkäuflichen Apotheken-Schnelltests bis zum ELISA-Test, welcher auf Profi-Labore ausgerichtet ist. Ihre Zuverlässigkeit ist höchst unterschiedlich.

Die Forscher am Institut für Medizinische Mikrobiologie erforschen aktuell die Zuverlässigkeit verschiedener Systeme. Der Test mit der höchsten Spezifität und Sensitivität soll zukünftig im Labor zum Einsatz kommen.

Am Institut ist inzwischen auch die kulturelle Anzucht des SARS-Cov-2-Virus im S3-Labor gelungen. Damit sind nun die Voraussetzungen geschaffen, die Wechselwirkungen zwischen dem Virus und infizierten Zellen zu untersuchen .

Forscht die UMG auch mit Blut von genesenen COVID-19-Patienten?

Ja, COVID-19-Patienten können ihr Blut nach der Genesung für die Forschung zur Verfügung stellen. Erste Patienten haben dies bereits getan. Die Blutanalysen verbessern die Kenntnisse über Umfang und Dauer der Immunität.

Plasma von Genesenen könnte unter Umständen auch für eine Behandlung schwer erkrankter COVID-19-Patienten eingesetzt werden, weil darin die schützenden Antikörper enthalten sind.

Entzündete Nieren als Frühwarnzeichen für schwere Verläufe bei COVID-19

Erst-Autor der Publikation: Prof. Dr. Oliver Gross. Foto: umg

Wissenschaftler der Universitätsmedizin Göttingen entwickeln Handlungspfad zur Vorhersage von Erkrankungsschwere und Organkomplikationen bei COVID-19. Online veröffentlicht in der renommierten Fachzeitschrift „The Lancet“ in der Ausgabe vom 6. Mai 2020.

Urintest kann Behandlung verbessern

Ein einfacher Urintest soll dem ärztlichen Fachpersonal helfen, schon früher Warnzeichen für einen bevorstehenden schweren Verlauf der COVID-19 Erkrankung zu erkennen. Anhand weniger Parameter kann so, noch Tage, bevor Lunge und andere Organe schwer versagen, mit der Behandlung drohender Komplikationen begonnen werden. Damit ließen sich bei vielen Erkrankten lebensbedrohliche Verschlechterungen und Todesfälle verhindern. Die Erkenntnisse der UMG-Wissenschaftler sind am 6. Mai 2020 als „Correspondence“ in der renommierten Fachzeitschrift „The Lancet“ online veröffentlicht.

Corona-Forschung von Prof. Gattioni

Veröffentlichungen und Schwerpunkte

Infos zu Lebenswerk und Forschungsschwerpunkten von Prof. Gattinoni sowie eine Übersicht aktueller Veröffentlichungen.

AG Akutes Lungenversagen

Die AG von Prof. Gattinoni und Prof. Quintel beschäftigt sich unter anderem mit Strategien zur Vermeidung Ventilator assoziierter Lungenschäden sowie mit der Interaktion von mechanischer Beatmung und extrakorporalem Lungenersatz.

Podcast

Beyond algorithms and guidelines: Insights into SARS-Cov2/COVID-19-related lung injury and respiratory failure from the leaders in the field – Prof. Michael Quintel and Prof. Luciano Gattinoni.

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