Presseinformationen

Presseinformation Nr. 217 vom 16. Dezember 2015

Ausgezeichnete Promotion zu Tiermodell für sporadische Alzheimer Krankheit

Wissenschaftler der UMG erhalten Hans-Heimann Promotionspreis 2015 der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde für Arbeit zu neuem Tiermodell für die Alzheimer Krankheit.


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Dr. Yvonne Bouter, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen. Foto:privat


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Prof. Dr. Thomas Bayer. Foto: privat


(umg) Dr. Yvonne Bouter, Postdoktorandin in der Arbeitsgruppe Molekulare Psychiatrie der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), ist von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) mit dem Hans-Heimann Promotionspreis 2015 ausgezeichnet worden. Sie erhielt den Preis zusammen mit ihrem wissenschaftlichen Betreuer Prof. Dr. Thomas Bayer, Leiter der Arbeitsgruppe Molekulare Psychiatrie in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der UMG, für ihre Doktorarbeit zu einem neuen Tiermodell für die sporadische Alzheimer Krankheit. An dieser Form von Alzheimer sind rund 95 Prozent der Patienten mit Alzheimer erkrankt. Mit dem Hans-Heimann Preis prämiert die DGPPN jährlich die drei besten Dissertationen auf dem Fachgebiet der Psychiatrie und Psychotherapie. Die Auszeichnung ist mit jeweils 8.000 Euro dotiert und wird auf dem DGPPN-Kongress verliehen.

NEUES TIERMODELL FÜR ALZHEIMER

Gegenstand der prämierten Doktorarbeit ist die Etablierung eines neuen Tiermodells für die sporadische Form der Alzheimer Krankheit und die Prüfung auf seine Tauglichkeit. Das Modell der Göttinger Forscher bildet Aspekte der Erkrankung so ab, wie sie in Wirklichkeit vorliegen. Das sogenannte Tg4-42 Modell kommt ohne eine Mutation im Beta-Amyloid-Gen aus. Ein solches Tiermodell für die sporadische Alzheimer Krankheit ist bisher weltweit einzigartig. Das neue Mausmodell produziert Beta-Amyloid-4-42 insbesondere im Hippocampus, also dem Teil des Gehirns, das für Gedächtnis und Lernen zuständig ist. Dies hat zur Folge, dass Nervenzellen absterben und die Tiere eine Alzheimer-typische Orientierungs- und Gedächtnisstörung entwickeln.

Seit der Entdeckung von Amyloid-Beta (Aβ) in den 1980er Jahren ist bekannt, dass insbesondere diese verkürzte Variante von Amyloid-Beta, das Amyloid Aβ4-42, im Gehirn von Alzheimer-Patienten vorkommt. „Uns ist es gelungen, die pathologische Bedeutung des verkürzten Aβ4-42 für die Entstehung der Alzheimer-Krankheit in einem Modell in vivo zu zeigen. Durch einen Vergleich des Tg4-42 Modells mit einem klassischen Modell für die familiäre Alzheimer Demenz konnte die Validität des Tg4-42 Alzheimermodell belegt werden. Das Transkriptom-Profil zeigt, welche Gene am Nervenzellverlust im Hippocampus eine Rolle haben“, sagt Prof. Dr. Thomas Bayer.

Das neue Modell schafft neue Voraussetzungen für die Testung neuer Wirkstoffe gegen die sporadische Alzheimer-Demenz. Es wird nun möglich, den therapeutischen Effekt möglicher Medikamente nach neuen Kriterien zu prüfen. Ihre Wirkung auf den Nervenzelltod im Hippocampus und auf kognitive Fähigkeiten lassen sich nun testen. Die Göttinger Arbeitsgruppe arbeitet jetzt an neuen Therapiemöglich-keiten für die sporadische Alzheimer-Demenz.

Dr. Yvonne Bouter wurde in Peine geboren und hat Biotechnologie an der TU Braunschweig, der University Cork (Irland) und Yale (USA) studiert. Anschließend hat sie von 2011 bis 2014 im Labor von Prof. Dr. Thomas A. Bayer, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der UMG, im Rahmen ihrer Dissertation als wissenschaftliche Mitarbeiterin gearbeitet. Im November 2014 wurde sie an der Medizinischen Fakultät Göttingen im Promotionsstudiengang Molekulare Medizin promoviert. Seit Dezember 2014 ist Yvonne Bouter als Postdoktorandin in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in der Arbeitsgruppe Molekulare Psychiatrie von Prof. Dr. Thomas Bayer tätig.

Der Hans-Heimann Promotionspreis wird jährlich von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) verliehen. Ausgezeichnet werden drei Tandems aus jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie ihren Betreuerinnen und Betreuern mit je 8.000 Euro für die besten Dissertationen in dem Fachgebiet der Psychiatrie und Psychotherapie. Die Doktorandinnen und Doktoranden erhalten jeweils 5.000 Euro Preisgeld, ihre Betreuerinnen und Betreuer jeweils 3.000 Euro. Gestiftet wird der Preis von der Servier Deutschland GmbH.

WEITERE INFORMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Von-Siebold-Straße 5, 37075 Göttingen
Arbeitsgruppe für Molekulare Psychiatrie
Dr. Yvonne Bouter, Telefon 0551 / 39-12905, yvonne.bouter@med.uni-goettingen.de

Prof. Dr. Thomas A. Bayer
Telefon 0551 / 39-22912, tbayer@gwdg.de



© Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel. 0551-39-9959, presse.medizin@med.uni-goettingen.de


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